Das Buchangebot zum Thema Advents- und Weihnachtszeit fällt in diesem Jahr ziemlich mager aus und stimmt nachdenklich. Es gibt nur wenige geglückte Beispiele, die jene gängigen deformierten Vorstellungen von der Kommerz-Weihnachtlichkeit korrigieren helfen. Das Buch von

Jan Prochazka: "St. Nikolaus geht durch die Stadt", aus dem Tschechischen von Erika Honolka; Georg Bitter Verlag, Recklinghausen; 88 S., 12,90 DM,

handelt einmal nicht von Lametta-glitzernden Bäumchen, frommen Sprüchen und Weihnachtsgänsen. Der vierzehnjährige Pavel, eigentlich reif für die Besserungsanstalt, liegt am Nikolaustag im Krankenhaus. Ungewollt quält er seine Umgebung und bringt das Personal zur Verzweiflung. Aber er, erweist sich auch als Anstifter für gute Ideen. Er verspricht den Kindern, den Nikolaus in sein Zimmer zu holen. Der kommt tatsächlich, aber anders als Pavel sich das gedacht hatte. Ein Arzt, der trinkt, eine verbohrt berufsfanatische Oberschwester spielen an diesem denkwürdigen Nikolaustag eine Schlüsselrolle. Prochazka beschönigt nichts und erreicht mit seiner faszinierend und flüssig geschriebenen Geschichte den jungen Leser, indem er betroffen macht.

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Ein kleiner Junge baut im Garten einen Schneemann. Er steht nachts auf, holt ihn ins Haus und zeigt ihm sein Zuhause. Zwischendurch muß sich der Schneemann vorm geöffneten Kühlschrank oder in der Gefriertruhe immer wieder "aufkälten". Kind und Schneemann bewegen sich in einer wattig-wolkigen Wunschwelt. Als der Junge am nächsten Morgen vergnügt seinen Freund begrüßen will, hat die Sonne seine Traumwelt weggeschmolzen. In dem pastellfarbig angelegten Bilderbuch von

Raymond Briggs: "Mein Schneemann"; Bertelsmann Verlag, München; 29 S., 16,80 DM,

ist fast alles möglich. In duftig gestrichelten Buntstiftzeichnungen reiht Briggs seine Bildergeschichte aneinander. Ein textloses, comicartiges Bilderbuch für Leute mit Phantasie.