Am 11. März des Jahres 1911 erschien in den britischen Magazinen The Car und The Automotor eine Mitteilung folgenden Wortlauts: "Die Geschäftsleitung von Rolls-Royce Limited hat immer ihre ganze Aufmerksamkeit in die Bemühung gesetzt, das Aussehen einer Rolls-Royce-Karosserie so. schön wie möglich zu gestalten. Ihre Ideale sind immer die Reinheit des Umrisses und eine generell elegante Erscheinungsform gewesen."

Der Grund dieser Firmenmitteilung lag nicht etwa in Zweifeln, die potentielle Rolls-Royce-Kunden hinsichtlich der äußeren Gestalt der Nobelwagen befallen hätten. Vielmehr hatten einige Besitzer der Limousinen den Kühler mit Maskottchen gekrönt, die nach Meinung der Geschäftsleitung keinesfalls angemessen waren: vom Polizisten über eine schwarze Katze bis zur grotesken Puppe. Doch die Firmenleitung sah auch ein, daß dem Wunsch nach einer Kühlerfigur entsprochen werden mußte.

Ein glücklicher Zufall wollte es, daß ein begeisterter Rolls-Royce-Fahrer, Lord Montagu of Beaulieu, den ebenso begeisterten Rolls-Royce-Bewunderer und Bildhauer Charles Sykes mit dem Rolls-Royce-Geschäftsführer Claude Johnson bekanntmachte. Sykes bekam den Auftrag, eine Kühlerfigur zu entwerfen. Die Vorgaben dafür waren nicht gerade alltäglich. Die Figur, die künftig die edlen Autos zieren sollte, mußte etwas ganz Besonderes sein, ein kleines Kunstwerk, das zum Wagen gehören, sollte wie die Galionsfigur zum Segelschiff.

Mister Sykes gelang ein Meisterwerk: Die "Fliegende Lady", die er den "Geist der Ekstase" (The Spirit of Ecstasy) nannte. Sie symbolisiert seither, was ein Rolls-Royce bedeutet: geräuschlose Geschwindigkeit, ruhiges Dahingleiten, außerordentliche Grazie. Am 6. Februar 1911 erblickte die Lady das Licht der Welt.

Einer der Firmengründer, Charles Stewart Rolls, hat dies nicht mehr erlebt. Er starb bei einem Flugzeugunglück 1910 – als erster Engländer, der überhaupt bei einem derartigen Unglück ums Leben kam.

Im Jahre 1902 hatte ein gemeinsamer Freund den Autobauer Frederik Henry Royce und den Autohändler und begeisterten Autofahrer Rolls miteinander bekanntgemacht. Seit Dezember 1904 verkaufte die Firma C. S. Rolls & Co. alle Autos, die von der Royce Ltd. hergestellt wurden, unter; dem Markennamen Rolls-Royce.

Der schöne Geist der Ekstase, heute aus rostfreiem Edelstahl, früher aus Legierungen von Kupfer, Zink und Zinn gegossen, hat sich bis heute seine Exklusivität bewahrt: Auch im Zeitalter der Massenproduktion werden jährlich nur fünftausend der Nobelautos gefertigt.