Eigentlich sollte der Maler des "Lichtgebets", der einstmals berühmte Künstler Fidus, das Kinderbuch von Paula Dehmel illustrieren. Er brach mitten in der Arbeit ab, und das interessante Fragment harrt einstweilen noch der Entdeckung. Schade, daß es der Neuausgabe von

Paula Dehmel (Text) und Karl Hof er (Ill.): "Rumpumpel", Nachdruck der Erstausgabe von 1903; Agora Verlag, Berlin, Darmstadt; 46 S., 25,– DM,

nicht beigegeben wurde: das Nebeneinander so grundverschiedener Temperamente (Hofer war nur zehn Jahre jünger als Fidus) in einem noch dazu so gelungenen und preiswerten Neudruck wäre für alle Freunde des Jugendstil-Bilderbuchs sicher eine besondere Kostbarkeit geworden. Fidus, der hier frei von Kitsch und Weltanschauung übermütig ins liebevoll ausgeführte Detail, manchmal in collageartige Flächigkeit sich verlierende Illustrator, Hofer, der spätere sozial engagierte Expressionist und Überwinder des Expressionismus, der mitten im ästhetisierenden Stilkunstprogramm des "Verlages für neudeutsche Kinderkunst Hermann Schaffstein" 1903 zwischen Kreidolf, Volkmann und Vogeler zu einer damals schockierenden Vereinfachung der Farben und Formen gelangt. Hofer zeichnet Figuren, die an erzgebirgische Schnitzereien erinnern, sie sind hart in der Kontur und klar in den matt gegebenen Farben. Impressionistisches Raffinement wie jugendstilige Dekorationslust bleiben draußen. Und dennoch ist auf den Bildern viel zu sehen. Dieses aber so präzise angedeutet, daß die Phantasie mitgerissen und zum Weiterspinnen angeregt wird. In der Tendenz zum Vereinfachen, zum Weglassen des Literarischen im Bild weisen Hofers Blätter weit voraus, verfallen indessen nicht der Gefahr abermaliger Ästhetisierung durch autonome Farb-Form-Spiele. Paula Dehmels oft grotesk alliterierende Verse vorzulesen, macht immer noch Vergnügen. "Rumpumpel" ist eine Bilderbuch-Wiederentdeckung, die endlich nicht nur für kulturhistorisch interessierte Bücherfreunde interessant sein dürfte, sondern auch für schlumpfmüde Kinder und deren Eltern. Janos Frecot