Vieles spricht dafür, daß die Parther schon vor 2000 Jahren "galvanisiert" haben

Von Gerhard Prause

Die Zuschauer eines Kleopatra-Films würden in Gelächter ausbrechen, wenn sie mit ansehen müßten, wie die ägyptische Königin ihren römischen Freund Cäsar beim Schein einer elektrischen Taschenlampe durch die nächtlichen Straßen Alexandrias oder ins Innere der Cheops-Pyramide führt. Elektrizität, würden sie sagen, war den Menschen vor zwei Jahrtausenden ja nun wirklich nicht bekannt: erst in der Neuzeit wurde sie entdeckt, um 1600 zunächst als "Reibungselektrizität", nachdem man bemerkt hatte, daß der Bernstein, den die alten Griechen "Elektron" genannt hatten, nach dem Reiben leichte Körper anzieht; und noch später, 1789, meinte der italienische Arzt und Naturforscher Luigi Galvani bei seinem berühmten Froschschenkelversuch, die "tierische Elektrizität" gefunden zu haben, womit dann die Erforschung der Elektrizität eigentlich erst begann.

Nun wäre es freilich Aberwitz, Kleopatra mit einer Taschenlampe und Cäsar mit einem elektrischen Rasierapparat darzustellen, aber – so behauptet der Direktor des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums, der Ägyptologe Dr. Arne Eggebrecht – schon zu Zeiten Cäsars und Kleopatras haben zumindest die Gold- und Silberschmiede der in Mesopotamien herrschenden Parther mit Elektrizität gearbeitet, die sie in gut handgroßen Batterien erzeugten; sie waren in der Lage, metallene Gegenstände auf galvanische Weise zu vergolden – etwa 1800 Jahre vor Galvani! Und wirklich lassen die jetzt in Hildesheim durchgeführten Experimente an der Richtigkeit seiner Behauptung kaum noch Zweifel zu.

Rätselhafte Apparate aus Bagdad

Teile einer solchen Elektro-Batterie gehörten zu der Hildesheimer Ausstellung "Sumer – Assur – Babylon" (vergl. ZEIT Nr. 29 v. 14. 7. 78) und sind jetzt in Berlin zu sehen (wo die Ausstellung unter dem Namen "Der Garten Eden" noch bis zum 25. Februar im Schloß Charlottenburg gezeigt wird), im Ausstellungskatalog und im irakischen Nationalmuseum von Bagdad, das sie mit anderen Leihgaben zur Verfügung stellte, als "Apparat" geführt. Der Apparat, bestehend aus einer 18 Zentimeter hohen Terrakottavase, einem etwas kürzeren Kupferzylinder und einem oxydierten Eisenstab, mit Resten von Bitumen und Blei daran, war im Jahre 1936 von dem deutschen Archäologen Wilhelm König bei Ausgrabungen einer parthischen Siedlung bei Bagdad gefunden worden. Schon König kam auf die Idee, daß es sich bei dem Fund, der aus der Zeit um Christi Geburt stammt (und der kein Einzelstück blieb), um eine Strom erzeugende Batterie handeln könne. Und er vermutete, wie solche Batterien hergestellt worden waren: dünnes Kupferblech wurde zu einem Zylinder von etwa zwölf Zentimeter Länge und zweieinhalb Zentimeter Durchmesser geformt und (mit einer Lötmasse aus einer Zinn-Blei-Legierung) verlötet. Den Boden des Zylinders bildete eine dicht schließende Kupferkappe, die nach innen mit Bitumen isoliert wurde. Oben wurde der Zylinder mit einem Bitumenpropfen verschlossen. Durch diesen Propfen ragte, gegen das Kupfer isoliert, ein etwa elf Zentimeter langer Eisenstab tief in den Zylinder hinein.

Wenn eine solche Kupfer-Eisenkonstruktion nun – was heute jeder Schüler aus dem Chemieunterricht weiß – mit einer sauren oder laugenartigen Flüssigkeit aufgefüllt wird, hat man ein galvanisches Element, übrigens in genau derselben Kombination, die Galvani für das nach ihm benannte Element benutzte. Um den Kupferzylinder nach außen zu schützen, wurde er in die Terrakottavase eingelassen, befestigt und zugleich isoliert mit Hilfe von Bitumen. Dieses Bitumen war natürlicher Asphalt, manchmal auch als Erdpech bezeichnet, zum Beispiel in der Bibel, wo Noah es zum Abdichten seiner Arche benutzte. Große Asphaltvorkommen gab es im Lande der Parther, aber auch in Palästina, wo Herodes der Große einen höchst lukrativen Export betrieb, nahezu in die ganze westliche Welt, vor allem jedoch nach Ägypten, wo man große Mengen des "Judenpechs" zum Einbalsamieren brauchte. Noch unbekannt ist, welche Säuren die Parther für ihre Batterien nahmen; Chemotechniker des Batterieherstellers Bosch sind zur Zeit dabei, Kristallablagerungen, die sich an dem Apparat fanden, zu analysieren. Sensationelles ist dabei kaum zu erwarten; man weiß, was den Parthern an Säuren zur Verfügung stand: zum Beispiel Wein-, Essig-, Zitronensäure.