Dem einen sin Uhl, dem anderen an Nachtigall – Hapag Lloyds Chef Horst Willner wollte, bei allem Bedauern an der Küste, seine Freude über die schlechte Lage der Werften nicht verhehlen. So kommt er billig zu einer neuen "Europa".

Der rund 27 000 Bruttoregistertonnen große Passagierdampfer, der erste deutsche Neubau seiner Art seit Jahrzehnten, soll im September 1981 an die Reederei übergeben werden. Wenig später wird das knapp zweihundert Meter lange Schiff auf Jungfernfahrt zu bislang noch nicht festgelegten Zielen gehen.

"Möglichst viele Einnahmen in Mark und möglichst viele Ausgaben in Dollar" sollen die Kalkulation des größten Passagierschiffes unter deutscher Flagge bestimmen, nachdem schon die Vorgängerin, die heutige "Europa", wegen des schwachen Dollars vom amerikanischen Markt abgezogen worden war. Die "Europa", betagt, aber immer noch schmuck, wird bis zur Fertigstellung des Neubaus in Dienst bleiben. Ihre Passagiere, zu einem großen Teil Stammkunden, haben in diesen Tagen Post von der Reederei mit Hinweisen auf die Nachfolgerin bekommen.

Für sie wird die "Europa" der achtziger Jahre eine Neuerung bieten: die vertikale Aufteilung. Die rund 600 Passagiere finden ihre 315 Kabinen (85 Prozent Außenkabinen) im vorderen Teil des Schiffs, während die Gesellschaftsräume überwiegend im hinteren Teil über den kleiner und stärker gewordenen Maschinentrakten liegen. Die Mannschaft bleibt bei leicht erhöhter Passagierkapazität gleich: 275 Personen. Die Zeiten, wo 440 Mann Personal mit 480 Passagieren auf "Europa"-Reisen gingen, sind für immer dahin, seit im Schiffsrestaurant zwei "Sitzungen" für die Essen angesetzt wurden. Dieser Speiserhythmus wird auch auf dem Neubau beibehalten.

Was Ende 1981 mit der alten, sehr geschätzten "Europa" geschieht, ist noch fraglich. Hapag Lloyd will nicht mit beiden Schiffen auf Kreuzfahrt gehen – sie sieht trotz steigenden Seereise-Interesses nicht genug Kundschaft für ein verdoppeltes Angebot an Luxustouren. Deshalb will man das Schiff auch nicht unbedingt an einen Konkurrenten weitergeben. Das Wort "Abwracken" ist bereits gefallen. Klaus Viedebantt