Mittelmäßig

"Die nackte Bourgeoisie" von Tonino Cervi. Venedig, 1938 – aber das tut eigentlich nichts zur Sache in diesem Film, obwohl der Regisseur den Anspruch erhebt, den sozialpolitischen Hintergrund des Faschismus zu erhellen. Der freilich kommt nur am Rande vor – ein, zwei kleine Sequenzen, Bemerkungen wie "Sie ist der Meinung, daß bald ein Krieg ausbricht" – und ist keineswegs eingebettet in die Handlung. Effekte sind Cervi offensichtlich wichtigen das Schwelgen in Farbe; eine immer schöne, immer helle Kulisse Venedigs; prächtige Interieurs; das Arbeiten mit Spiegeln. Es gibt neben Andeutungen von Geschwisterliebe und Homosexualität die offen dargestellte sexuelle Beziehung zwischen zwei Frauenbund natürlich agieren in dieser recht ausschweifend erzählten Geschichte von der Liebe einer nicht mehr ganz jungen Frau (Senta Berger) zu einem Studenten (Stefano Patrizi), der sich gleichzeitig Elena (Ornella Muti), einer Tochter aus großbürgerlichem Haus, zuwendet, nur schöne Menschen. Der Film wurde nach einem Roman des französischen Schriftstellers Roger Peyrefitte gedreht Daß die Dialoge häufig recht flach geraten, liegt sicherlich nicht an ihm, dessen Werk sich durch geistreiche, ironische und vieldeutige Konversation auszeichnet Anne Frederiksen

"Kampfstern Galactica" von Richard A. Colla ist eine für die Kinoauswertung in Europa und Kanada zusammengestellte Zwei-Stunden-Version aus den ersten Episoden der bisher teuersten amerikanischen Fernsehserie. "Battlestar Galactica" (Originaltitel), konzipiert, geschrieben und produziert von Glen Larson ("McCloud/Ein Sheriff in New York"), erinnert nicht nur in den Grundmotiven der Story (Entscheidungsschlachten in ferner Zukunft, bei denen es um den Überlebenskampf der menschlichen Rasse gegen metallene Finsterlinge geht) und in Kostümen, Masken und technischem Trickarsenal an das erfolgreiche Vorbild "Krieg der Sterne" von George Lucas. Auch ein weiser Übervater (Lorne Greene) und ein putziger Roboter fehlen nicht, und die beiden jugendlichen Heroen Captain Apollo (Richard Hatch) und Leutnant Starbuck (Dirk Benedict) könnten Zwillingsbrüder von Luke Skywalker und Han Solo sein. Die Trickaufnahmen von John Dykstra, dem Leiter der Spezialeffekte in "Star Ware", sind sogar noch etwas ausgefeilter. Doch Dykstras schwerelose Phantasieaufschwünge werden hier durch die Schwerfälligkeit der Darsteller und die eintönige Folge schier endloser Angriffssequenzen im dröhnenden "Sensurround"-Verfahren, die nur sporadisch unterbrochen werden von kurzen Gartenlaubeidyllen auf fremden Planeten, immer wieder auf bewährten Kintoppboden zurückgeholt. Und der ist bei diesem Weltraumwestern recht dürftig zusammengezimmert. Auch aus ganz alten Brettern. Helmut W. Banz

Ärgerlich "Ich hab’ dir nie einen Rosengarten versprochen" von Anthony Page. In ihrem teilweise autobiographischen Roman beschreibt Hannah Green die Heilung eines sechzehnjährigen schizophrenen Mädchens. Die Adaption erreicht an keiner Stelle die analytische Poesie der Vorlage und unterschlägt zudem zentrale Informationen zur Anamnese des Falls, so die jüdische Herkunft des Mädchens Deborah und den offenen Antisemitismus ihrer Mitschülerinnen. Aus einem präzisen Panorama psychotischen Fühlens und seiner Bedingungszusammenhänge wird ein harmlos-exotisches Rührstück, geeignet, grassierende Vorurteile über "Irre" massiv zu fördern. Die in ihrer Vieldeutigkeit nur literarisch faßbare hermetische Gegenwelt des Wahns (das Reich "Yr"), die dem verletzten Ich des Mädchens zum stabilisierenden Refugium geworden ist, verkürzt sich hier durch ihre eindimensionale Visualisierung zu einem Panoptikum monströser Kitschgestalten. Die plötzliche Heilung erscheint wie ein flotter Regieeinfall zur Beendigung dieses Machwerks, das sich durch Handkamera-Fummelei und outriertes Spiel einen stellenweise semidokumentarischen Anstrich verleihen möchte. Kaum zu glauben, daß Roger Corman für die Produktion verantwortlich zeichnet; schade auch um die talentierte Kathleen Quinlan.

Andreas Meyer

Empfehlenswerte Filme

"Ausgeflippt" von Richard Benner. "Der Teufel möglicherweise" von Robert Bresson. "Höhenkoller" von Mel Brooks. "Dieses obskure Objekt der Begierde" von Luis Buñuel. "In einem Jahr mit 13 Monden" von Rainer Werner Fassbinder. "Was heißen hier Liebe" von Walter Herrich, Claus Strigel, Bertram Verhaag. "Molière" von Ariane Mnouchkine. "Rheingold" von Niklaus Schilling. "Zwischen den Zeilen" von Joan Micklin Silver. "Padre Padrone" von Paolo und Vittorio Taviani. "Girl-Friends" von Claudia Weill.