Generationenlang hat es nur Jugendbücher über junge Leute und ihre Probleme gegeben, über die Schwierigkeit, erwachsen zu werden, andere zu lieben, die Eltern zu hassen, mit der Gesellschaft fertig zu werden. Nun wird die Sache einmal von der anderen Seite her betrachtet, nun hat ein Vater das Wort:

Josef Ippers: "Von Beruf Familienvater"; Otto Maier Verlag, Ravensburg; 164 S., 16,80 DM.

Dieser Vater ist von seinen Kindern nicht sehr weit entfernt. Er hat jung geheiratet: "Ich wollte Leni, daß ich mir eine Familie einhandelte, war nicht vorgesehen." Wie es aber so kam in der Zeit vor der Pille: fünf Ehejahre, vier Kinder und noch keine dreißig. Berufswechsel zum Vertreter, um die Familie ernähren zu können, ein eigenes Häuschen, ein manchmal stürmisches, aber – wie der Vater meint – glückliches Familienleben. Fühlt sich ein Mann mit einem solchen Lebenslauf erwachsen? Auf jeden Fall fühlt er sich verantwortlich. Als sein Ältester von der Bundeswehr desertiert, beginnt Vater Teilhardts Welt zu wanken. Mit viel Aufwand und Getöse macht er sich daran, alles wieder auf seine Art ins rechte Lot zu bringen. Das ergibt einen Riesenmonolog, bei dem auch der letzte Erlebnisrest noch zu einem Vorstadtdrama aufgeblasen wird, während auf diese Weise erzeugtes Gefühlswallen durch Schnaps und Schnoddrigkeit tapfer wieder zu den Dimensionen heruntergespielt wird, die es ohnehin nur hatte. Während sich nun der Vater auf die Suche nach dem verlorenen Sohn macht, der nach Dreimonatsehe, durch die Untreue seiner Frau geschockt, das Weite (Charterflug nach Gran Canaria) sucht, dann aber wieder heimkommt, gibt es die üblichen mittleren Katastrophen in der Restfamilie. Vaters Patriarchenbild wird etwas angekratzt. Er gibt seinen alten verhaßten Beruf auf und wird erst mal Nachtwächter. Die Ehe bleibt so glücklich wie eh und je. Vater läßt keinen in Zweifel, daß er einen Denkprozeß durchmacht und endlich akzeptiert, daß die Kinder junge Männer und Frauen mit eigenen Lebensauffassungen geworden sind. Einen Prozeß, den er seiner Meinung nach so gut wie eine Aufnahmeprüfung in eine höhere Klasse des Lebens besteht – um die Familie dann so selbstbewußt wie vorher zu gängeln.

Ein Versuch, etwas Durchschnittliches darzustellen, Alltag mit kleinen Fehlern, Familie im Belastungstest. Wenn den erwachsenen Leser etwas daran ergreift, so ist es die Hoffnung vom Kleinen Mann – was nun?, sich in einer Welt ohne Prinzipien zwischen allen Redensarten und Vorurteilen und "Was sollen die Leute bloß denken?" selber eine Ordnung zu basteln, die zumindest für ihn und die Seinen hält. Dabei ist es die intakte Ehe, die geglückte Beziehung zu einem anderen Menschen, die dem Mann die Kraft gibt, im Angesicht des vielfachen Egoismus von vier Schwieger- und vier Kindern auf das Recht zum eigenen Leben zu pochen, andererseits aus der Elternrolle das ständige Behütenwollen allmählich auszuklammern. Eltern, erfährt der Leser, sind auch nur Menschen.

Reicht das als Botschaft aus? Für junge Leute ist es sicher ganz erhellend, bekannte Sätze aus Familienargumenten aus einem fremden Mund zu hören. Ob dieser Haustyrann mit besten Absichten darüber hinaus zum Elternverständnis beitragen kann, hängt auch davon ab, ob die Leser seinen schwadronierenden Ton akzeptieren.

schö