Von Benjamin Henrichs

I. Das Theater in der Sackgasse?

Ich würde unser Gespräch gern mit einem Kapitel Theatergeschichte beginnen. Damit meine ich nicht die Histörchen der letzten Wochen: also – was hat Herr Klose Herrn Gobert versprochen und was nicht. Sondern Theatergeschichte in einem ernsthafteren Sinn. In einem Vorwort, das Sie geschrieben haben zu einem Buch über Elisabeth Flickenschildt, stehen ein paar Sätze, über die man, glaube ich, etwas grundsätzlicher streiten könnte. Zitat: "Vielleicht hätte gerade die Flickenschildt nicht so sehr der Trauer über die Irrwege, die das deutsche Theater in den letzten Jahren in die Sackgasse manövriert haben, nachhängen, sondern sich denen auf- und anschließen sollen, die stets an das richtige Theater glaubten. Das Theater von Menschen für Menschen." Was waren das für Irrwege, wer hat das Theater in die Sackgasse geführt?

BOY GOBERT: Das Theater in die Sackgasse geführt (aus der es ja wieder heraus ist) haben in den frühen sechziger Jahren die Leute, die eine einseitige Politisierung des Theaters wollten, die das Theater nur noch als Diskussionsforum haben wollten; die also aus dem Theater eine einseitige Unternehmung machen wollten.

War das denn eine Bewegung, die man repräsentativ nennen kann?

GOBERT: Ich meine nicht, daß sie repräsentativ war; aber man wollte, daß sie repräsentativ wird. Was mich, immer so gestört hat, war (da sind ja Sie und Ihre Kollegen im wahrsten Sinne des Wortes federführend gewesen), daß man nicht mehr die Vielfalt des Theaters zulassen wollte.

Aber welche Regisseure haben denn einseitig politisiert? Unter den wichtigen Regisseuren war doch keiner, auf den das Rubrum "einseitig politisiert" zutreffen würde.