Von Ulrich Rosenbaum

Noch vor wenigen Jahren wurden Wohnwagen auf winterlichen Autobahnen als Tiefkühltruhen belächelt, heute gehören sie auch in der kalten Jahreszeit zum gewohnten Straßenbild. Denn immer mehr stolze Besitzer eines Caravans wollen auch bei Eis und Schnee Camp-Ferien machen: Die bundesdeutschen Campingplätze zählten im letzten Winter von Dezember bis April immerhin 15 Millionen Übernachtungen. Und wie bisher immer wird diese Zahl nach Meinung der Fachleute auch in diesem Jahr wieder um fünf bis zehn Prozent steigen. Bayerische Campingplatzbesitzer rechnen mit noch höheren Zuwachsraten. Ihr Publikum will nämlich das fast fanatisch geübte Caravan-Vergnügen mit dem Wintersport verknüpfen. Heute laufen sieben von zehn Wintergästen Ski – knapp die Hälfte davon auf den Langlaufloipen, denn auch im Winter bestimmen die gesetzteren Jahrgänge das Bild auf den Campingterrains.

Die dünnen Wände der Wohnwagen sind heute kaum noch ein Hindernis für einen wohltemperierten Urlaub im Schnee. Die berüchtigten "Kältebrücken", über die sich frostige Temperaturen, von Isolierschichten unbedrängt, ins Innere des Gefährts schlichen, gehören der Vergangenheit an: Doppelfenster und Bodenisolierung gehören heute zur Grundausstattung jedes Wohnwagens. Thermostatgesteuerte Propangasheizungen machen den Schnapskonsum zumindest als Wärmeersatz überflüssig. Nur bei Billigmodellen wird zuweilen noch an der Heizung gespart; wer einen Caravan kauft, sollte sich in jedem Fall überzeugen, ob die Heizleistung auch für extreme Temperaturen ausreicht. Fachkräfte werden aber bei der Umrüstung solcher wie auch älterer Wohnanhänger vor keine Probleme gestellt; die Parole "Selbst ist der Mann" sollte freilich (aus Sicherheitsgründen) für Arbeiten an der Heizung tabu sein!

Derart gerüstet kann der Wintercamper getrost die gleichen Kleidungsstücke in den Koffer packen, die er auch bei Hotelferien benötigt. Verhaltensregeln, die verhindern sollen, daß die Eisblumenromantik nicht doch noch zum Frostbeulentrip umschlägt, kann er in einer Broschüre nachlesen, die der ADAC in seinen Geschäftsstellen abgibt.

Immer mehr Campingplatzbesitzer richten sich auf die winterliche Touristenwelle ein. Aber nicht jede Wiese, auf der Wohnwagen das ganze Jahr über abgestellt werden dürfen, ist auch für Schneecamping geeignet. Winterplätze müssen beheizte Wasch- und Toilettenräume besitzen, sie müssen Gasflaschen, nachfüllen oder zumindest umtauschen können. Ein leistungsstarkes Stromnetz ist notwendig, denn nicht selten verbraucht ein Campingplatz mehr Elektrizität als die angrenzende Ortschaft. Daneben sollten auch die Zugmaschinen bereitstehen, die unbeholfenen Chauffeuren die Last des oft schwierigen Einparkens ihres Wohnanhängers abnehmen. Nach solchen Kriterien haben die einschlägigen Verzeichnisse des ADAC und des Deutschen Camping-Clubs (DCC) Wintercampingplätze gesondert gekennzeichnet – wobei der Maßstab des DCC strenger scheint; in seiner Liste sind auch die Wintersportmöglichkeiten besser hervorgehoben.

Der aufwendigere Service wie auch die hohen Baukosten für einen solchen Campingplatz, durchweg siebenstellige Summen, erklären, warum beim Wintercamping die Platzgebühren meist höher als im Sommer sind. Auf einem gut ausgestatteten Gelände muß eine Familie mit zwei Kindern rund zwanzig Mark pro Nacht vom Reisebudget abzweigen. Dazu kommen die Kosten für Strom und Gas – eine Wohnwagenheizung verbraucht bei voller Leistung in jeder Stunde für mehr als fünfzig Pfennig Energie. Jedoch sind neben dem ungezwungenen Leben in freier Natur auch die niedrigeren Kosten noch immer ein Anreiz für Winterfreuden im Caravan.

Naturgenuß und saubere Luft sind indessen längst nicht mehr das einzige Vergnügen, das sich Wintercamper leisten können. So besitzt etwa der Luxuscampingplatz Hohenwarth im Bayerischen Wald einen Weiher zum Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen und ein eigenes Hallenbad. Das Mustergelände im nahegelegenen Zwiesel verfügt nicht nur über ein Schwimmbad; die vom Platz ausgehende Langlaufspur und der angrenzende Übungshang mit Babylift sind in den langen Winternächten sogar beleuchtet.