Kunstschätze werden nicht freiwillig abgegeben, sondern sie werden einem Land, welches sich nicht zu widersetzen wagt, abgenommen. Die Kunstschätze aus Afrika und Asien haben sich die europäischen Staaten genommen, als diese beiden Kontinente kolonialisiert waren. Inzwischen sind aus afrikanischen und asiatischen Kolonien Staaten geworden, die auf der Suche nach staatlichem Selbstverständnis und nationaler Identität sind. Sie haben begonnen, sich für ihre Kultur zu interessieren und müssen jetzt die schmerzhafte Erfahrung machen, daß wesentliche nationale Kulturgegenstände sich in europäischen Museen befinden. Es wäre ein wichtiger Entwicklungsbeitrag und ein wenig Wiedergutmachung für den Schaden, den diese Länder durch die Kolonisation erlitten haben, ihnen bei der nationalen Identitätssuche zu helfen, indem man ihnen "ihre" Kunstschätze wiedergibt – dorthin, wo sie den Menschen mehr bedeuten als bei uns. Denn hier sind sie doch nur wertvolle Kunstgegenstände aus einer fernen Welt. Edmund Ebens, 19 Jahre

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Es zeigt sich, daß die Frage, wem die Kunstschätze eigentlich zustehen, nicht ohne weiteres geklärt werden kann. Je älter die Schätze, desto abwechslungsreicher ihre – Geschichte, desto schwieriger die Herkunftsfrage zu lösen.

Kunstschätze generell zurück in die Herkunftsländer: nein. Für wen ist es überhaupt wichtig, daß die Schätze des Landes sich auch in diesem Land befinden, wo sich am Ende keiner dafür interessiert? Warum sollten sie nicht dort gut aufgehoben sein, wo sie sind? Ich bin durchaus in dem einen oder dem anderen Fall für eine solche "Rückführung", sofern sie wirklich sinnvoll ist. Aber: Kunstschätze sollten nicht wie ein Nationalhort gehütet werden, sondern einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Gerade im Ausland können sie helfen, Vorurteile, die man den Ausländern gegenüber hegt, abzubauen und zu einem besseren Verständnis beizutragen. In erster Linie gilt es doch, diese Schätze zu erhalten. Und dem wird man in jedem Fall gerecht. Achim Stolz

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Hand in Hand mit der Beantwortung dieser Frage geht das gegenseitige Schielen der Verantwortlichen in den Museumstresor des anderen, um zu sehen, wie man selbst bei einer Entscheidung abschneidet.

Gerhard Bolaender, 20 Jahre