Kein Kontinent, der auf Schallplatten so präsent wäre wie dieser, und keiner, der dennoch relativ unbekannt geblieben wäre; keiner auch, der Neugierde und Anteilnahme so stetig auf sich zöge wie dieser: Südamerika. Es ist ebenso interessant wie erklärlich, daß es nicht die großen angloamerikanischen Konzerne dieser Industrie sind, die ihre Herzen für die Unterdrückten, erst recht nicht für die Poesie ihrer Proteste in Texten und Musiken geöffnet hätten, sondern der Pläne-Verlag in Dortmund, ein, wie man zur Genüge weiß, linkes Unternehmen, seit einiger Zeit bemüht um ein linksliberales Firmenbild. Und wie kein anderer Schallplattenverlag bringt dieser kleine ständig etwas zuwege, vor dem sich die viel potenteren Firmen meistens drücken: Wo immer ein Wort gesungen wird, ist es in der Originalsprache – Spanisch, Portugiesisch – wiedergegeben und übersetzt, oft noch ergänzt durch erklärende Informationen. Unter den neueren Veröffentlichungen sind zu nennen:

Ali Primera: "Das Vaterland ist der Mensch" – zehn Lieder, geprägt von patriotischem Pathos und politischer Leidenschaft; es sind Kampflieder, Volkslieder, Liebeslieder, gefaßt in eine einfallsreiche, von den Texten inspirierte, folkloristisch durchsetzte Musik (pläne 88 121).

Silvio Rodriguez: "Dias y Flores" – Lieder "voller Zorn und voller Liebe", sagt der Autor. Wie viele Barden aus der Zunft bildet Südamerika für ihn musikalisch ein Land, und so mischt er ganz selbstverständlich Kubanisches mit Elementen anderer Volksmusiken. Seine Texte sind poesievoll, engagiert und schön (pläne G-8-0215).

Atahualpa Yupanqui: "Basta Ya." Er ist der Senior dieser Sänger und Poeten. Seine Lieder sind bedächtig ausgeformt; ihre Stärken sind ihre Einfachheit und ihre Genauigkeit. Das gilt für die Musik, für das (manchmal etwas betuliche) Gitarrenspiel, für die auffallend stark im Volkstümlichen wurzelnde Lyrik (pläne 55 801).

"Los Folkloristas", eine vor zwölf Jahren in Mexiko gegründete Gruppe von fünf Männern und zwei Frauen machen indianische Volksmusik auf indianischen Instrumenten: eine farbig klingende, gleichermaßen präzise und schwungvolle Vorstellung (pläne G-8-0203).

"Hasta Siempre", gespielt von der "Jazz-Union Cuba, Finland, Denmark". Die Mitglieder dieses kubanisch-skandinavischen Quintetts, angeführt von dem Saxophonisten Paquito D’Rivera, machen über ausgesucht wohlklingende Themen einen ungewohnt melodischen, sanften, fröhlich-beschwingten Jazz: eine eingängliche Musik, sehr delikat und mit geradezu naivem Elan gespielt (pläne Jazz G 0038).

Die sehr plötzlich zur aktuellsten Veröffentlichung gewordene Schallplatte kommt aus dem Schwann-Verlag: