Fukudas zweijährige Amtszeit als Regierungs- und Parteichef endete mit einer deutlichen Niederlage in den Vorwahlen für die Präsidentschaft der Liberal-Demokratischen Partei (LDP). Der Sieg des Generalsekretärs der LDP, Ohira Masayoshi, kam für die meisten Beobachter völlig unerwartet. Von den 1,5 Millionen wahlberechtigten Parteimitgliedern und registrierten "Parteifreunden" stimmten 42 Prozent für Ohira und nur 36 Prozent für Fukuda

Trotz aller vordergründigen Erfolge, wie etwa dem Abschluß des Friedens- und Freundschaftsvertrages mit China, seinen Auftritten bei der ASEAN-Konferenz und dem Weltwirtschaftsgipfel, war Fukuda ein glückloser Regierungschef. Seine Popularität, in der Bevölkerung blieb stets außerordentlich gering.

Der künftige Ministerpräsident Ohira ist wie sein langjähriger treuer Verbündeter, der frühere Ministerpräsident Tanaka, ein "Mann des Volkes". 1910 als Sohn eines Bauern In einem vergessenen Winkel der kleinsten der japanischen Winkel/der auf Shikoku, geboren, mußte er sich seine Karriere hart erarbeiten. Nach einem Studium, das er als Hilfsarbeiter finanzierte, trat er 1936 in das Finanzministerium ein.

In der LDP gewann er früh einflußreiche Freunde: Alle seine Vorgänger betrauten ihn mit Kabinettsposten. Unter Tanaka war er als Außenminister maßgeblich an der Normalisierung der Beziehungen zu China beteiligt. So wäre er ein logischer Nachfolger Tanakas gewesen, als dieser stürzte, aber sowohl 1974 als auch 1976 blockierts Fukuda seine Wahl zum Regierungschef Fukuda hätten seinen Reigierungschef, Gegenspieler gern ganz ausgeschaltet. Am seinem Kabinett konnte er ihn zwar fernhalten, dafür mußte er Ohira aber den Posten des Generalsekretärs der LDP überlassen.

Ohira hatte dieser Regelung nur unter der Bedingung zugestimmt, daß Fukuda nach zwei Jahren Amtszeit kampflos seinen Platz für ihn räume. Als Fukuda mit der Ankündigung seiner erneuten Kandidatur diese (geheime) Absprache brach, nutzte Ohira offensichtlich seine Position als Generalsekretär, durch die er den Parteiapparat kontrolliert, Fukuda endlich mattzusetzen.

Dabei konnte, er auf eine Reihe offener und versteckter Verbündeter zählen: Tanakas Geld, wie Kritiker meinen, die organisatorische Unterstützung der intakten Tanaka-Fraktion und das Stillhalten der Gruppe um den Fukuda-Vorgänger Miki, der einen alten Groll gegen seinen Nachfolger hegt, haben Ohira zum Sieg verhelfen.

Die Wahl Ohiras dürfte keine erkennbaren politischen Veränderungen bringen. Trotz seiner Karriere in der Bürokratie des Finanzministeriums ist der "Bauernjunge aus Shikoku", der stets Schwierigkeiten hat, frei zu sprechen, weniger ein Mann der Ministerialbürokratie wie Fukuda, als vielmehr ein Vertreter der "schweigenden Mehrheit". In der LDP wird Ohira den "Tauben" zugerechnet: Er ist immer für vorsichtige Zurückhaltung bei Erhöhung der Verteidigungsausgaben eingetreten und lehnte jede Art von "Notstandsgesetzgebung" ab. Außenpolitisch unterscheidet er sich von Fukuda, der in der LDP als Taiwan-Mann galt, weil er auf verstärkte Beziehungen zur VolksrepublikChina setzt.

Manfred Pohl (Tokio)