An Krawall im Frankfurter Westend hat man sich in den letzten Jahren gewöhnt. Doch nie war das Erschrecken der Bürger so groß wie nach den blutigen Ausschreitungen am vergangenen Wochenende: Polizisten in Todesangst, ein Kripochef beinahe gelyncht, dreihundert Beamte verletzt – ist die Polizei nicht mehr Herr der Lage? Machtlos wie vor elf Jahren gegen die Jubel-, so heute gegen die Trubelperser?

Hernach sind alle andern klüger als die Verantwortlichen. Hätte man die Demonstration der persischen und der deutschen Schah-Gegner verbieten sollen? Frankfurter Erfahrungen mit hessischen Verwaltungsgerichten schrecken eher ab; die ohnehin anreisenden deutschen Radaubrüder, K-Gruppen und Spontis, hätten sich auch durch Verbote nicht abhalten lassen. Die Kundgebung auflösen? Das hätte die Lage noch unübersichtlicher gemacht. Ein Polizeiaufmarsch à la Brokdorf? Da wäre vielleicht das Gebot der Verhältnismäßigkeit mißachtet, der Haß der Gewalttäter erst recht entfacht worden. Wie man’s auch wendet – mag die Ordnungsmacht für alle erdenklichen Fälle gerüstet sein, so haben die "Chaoten" doch immer den Vorteil der Oberraschung.

Bei alledem wird übersehen, daß die Frankfurter Polizei trotz ihrer Unterlegenheit einen taktischen Erfolg errungen hat: im amerikanischen Generalkonsulat, dem Hauptziel des Ansturms, ging keine Scheibe entzwei. Man male sich die Schlagzeilen der Weltpresse aus, wäre das Haus in Flammen aufgegangen wie jüngst die britische Botschaft in Teheran. Freilich waren viele Polizisten überfordert, weil sie für Straßenschlachten nicht ausgebildet sind. Personalmisere, Spezialausbildung Vorausinformation – da liegt, nicht bloß in Hessen, so manches im argen, was zu ändern wäre. Doch bei Vorfällen wie in Frankfurt erschallt gleich der bequeme Rat, man solle das Demonstrationsrecht verschärfen. Die Regierung Brandt/Scheel hat es seinerzeit aus guten Gründen liberalisiert. Wir brauchen nicht schon wieder neue Gesetze, sondern eine tüchtigere Polizei. Kj.