Wie Privatdetektive einen lästigen Betriebsratsvorsitzenden kaltstellen sollten

Wiesbaden

Um sich einen mißliebigen Betriebsrat vom Hals zu schaffen, engagierte die Geschäftsleitung eines Verbrauchermarktes in Taunusstein bei Wiesbaden für 3000 Mark einen Privatdetektiv. Offensichtlich war jedes Mittel recht, den unbescholtenen, aber lästigen Mann loszuwerden: Man unterschob ihm ein Rauschgiftgeschäft.

Die Akteure in diesem einzigartigen Fall sitzen inzwischen auf der Anklagebank. Vor der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt müssen sich neben dem Detektiv Manfred G. und seinem Gehilfen Peter K., beides ehemalige Polizeibeamte, der Geschäftsführer Siegfried H. und dessen Assistent Dieter H. verantworten. Die Detektive sind geständig; die beiden Filialmanager, inzwischen von ihrer Firma entlassen, bestreiten die Tat.

Der Mann, dem übel mitgespielt wurde, ist der 25jährige Walter Zaschke, Gewerkschaftsmitglied und Betriebsratsvorsitzender. Er war am 11. Januar 1977 an seinem Arbeitsplatz im Toom-Markt Taunusstein verhaftet worden. Einige Stunden zuvor hatte der Kriminalhauptmeister Detlev G. "eine große Rauschgiftsache" aufgedeckt: Zehn Morphiumampullen, fünf Einwegspritzen nebst Kanülen und ein durchgeladener Revolver vom Kaliber 22 waren in einer mit dem Namen Zaschkes versehenen schwarzen Kunstledertasche gefunden worden – versteckt im Schließfach 216 der B-Ebene des Frankfurter U-Bahnhofes Hauptwache.

Lästiger Einzelkämpfer

In den Vernehmungen versicherte Walter Zaschke immer wieder, nichts von der Tasche und ihrem Inhalt zu wissen. Er gab auch zu Protokoll, niemanden zu kennen, dem er einen "Racheakt" zutraue. In Frankfurt sei er acht Wochen zuvor das letztemal gewesen, bei der Sitzung der Großen Tarifkommission seiner Gewerkschaft. Nach sechs Stunden Verhör und Durchsuchung von Wohnung, Auto und Arbeitsplatz durfte er nach Hause gehen. "Die Sache war zu laienhaft und offensichtlich", erklärte einer der Rauschgiftfahnder im Zeugenstand, insbesondere der in die Tasche eingeklebte Zettel "Walter Zaschke" mit kompletter Anschrift habe ihn stutzig gemacht.