Die Unesco hat endlich den Staaten eine Absage erteilt, welche die Medien Weltweit an die Kandare staatlicher Aufsicht nehmen wollten und das auch noch im "Namen einer "Pressefreiheit", die sie im eigenen Lande tagtäglich unterdrücken. Der ursprüngliche Entwurf der "Mediendeklaration" stammte aus sowjetischer Feder; nach acht Jahren Debatte und Verwässerung war die Handschrift des Kremls immer noch erkennbar geblieben.

Zum Abschluß der 20. Generalversammlung in Paris konnte der Westen einen diplomatischen Sieg für seine vornehmsten Werte verbuchen: Ausgemerzt sind alle Passagen, die die "Pflichten" und "Verantwortungen" der Staaten gegenüber den Medien kodifizieren sollten; übriggeblieben sind ebenso hehre wie vage Wünsche, die niemandem wehtun.

Übriggeblieben ist auch eine Verpflichtung des Westens, der Dritten Welt beim Aufbau ihrer eigenen Nachrichtenorganisationen zu helfen, damit das Quasi-Monopol der westlichen Agenturen beendet wird. Gepaart mit einer Kompromißlosigkeit, die bis an den Rand der Konfrontation ging, war dieses Angebot die richtige Antwort auf die Attacke der Totalitären: Da es keine einzige "Wahrheit" gibt, garantiert nur die freie Auswahl zwischen möglichst vielen Einzei" Wahrheiten die "ausgewogene und vollständige" Berichterstattung, welche die Dritte Welt so vehement fordert. Alles in allem ein annehmbarer Handel: Das Fundament westlicher Demokratie, die Pressefreiheit, blieb Unangetastet – hier gibt es keinen Kompromiß. jj