Das Buch mit dem fünffachen „Mein!“ auf dem Titel ist (noch) nicht erschienen: „Nein zur deutschen Literatur“ – eine, wie der Ankündigungstext verheißt, „notwendige Provokation, ein legitimes Gerichtsverfahren gegen die zunehmende Sprachverdummung“. Aber die anderen siebzehn Bücher, die Vintila Ivanceanu mit seinem noch keine zwei Jahre alten Rhombus-Verlag auf der Buchmesse 1978 präsentierte, sind auch, poetische Provokation eines literarischen Marktes, auf dem Poesie gerade als „Neue Subjektivität“ und Prosa in der Form der Erzählung die höchsten Kursgewinne verzeichnen.

Rhombus-Bücher passen aber weder in Modetrends, noch sind sie einer literarischen Linie zuzuordnen: Es bedarf einer eigenen poetischen Geometrie, um sie zu vermessen. Vermessen aber ist, wer behauptet, er verstehe alles, was in diesen Büchern steht. Wäre da einer, der’s könnte – Ivanceanu würde seinen Verlag auflösen.

Das scheint nicht nur absurd: Absurdität, gezielt produziert oder zufällig entstanden, ist einer der programmatischen (Des-)Orientierungspunkte des Rhombus-Verlags; Konsumverweigerung ein zweiter – und was wäre absurder als ein Verlagsunternehmen, das nicht darauf aus ist, Gewinne zu machen? Ivanceanu würde antworten: Eine Literatur, die sich, in des Sinns doppelter Bedeutung, verkauft.

Von daher gewinnt die programmatische Absurdität des Rhombus-Verlags ihren eigenwilligen Sinn: Ivanceanu druckt Bücher von Autoren, die sich beim Schreiben nicht im geringsten um die Verkäuflichkeit ihrer Produkte kümmern, und schafft somit jenen ein Forum, die sich den Kopf frei für sich selbst und ihre ureigene Poesie halten. Der Rhombus-Verlag ist, absurd formuliert, kein Verlag für Bücher, sondern vor allem ein Verlag für Literatur.

Aber auch ein solches Forum kostet Geld, gerade ein solches Unternehmen braucht – Mäzene. Vintila Ivanceanu hat sie gefunden: für die ersten Bücher stiftete die Erste Allgemeine Versicherung Generali das Papier (was in den Büchern auch vermerkt ist), später kam, gegen eine Anzeige, Geld von der Mobil-Oil Österreich, und den Löwenanteil des Verlagsbudgets bestreitet die IBM-Österreich.

Rhombus treibt’s vor allem mit Literatur, und sein Verleger Ivanceanu ist selbst mehr Schriftsteller als Verleger, er kommt in seinem Programm gleich zweimal vor: „Reise“ und „Sodom“ sind zwei knapp hundert Seiten starke Prosabändchen: nicht nachzuerzählen. Handlung gibt es allenfalls als Sprachbewegung, Sprachdarstellung. Die „Reise“ selbst ist Fiktion, Phantasie, eine Art sprachmagischer Vorgang, Beschwörung der sinnlichen Träume, die allein aus der Wirklichkeitsbindungerlösenkönnten. Noch Beschwörung der sinnlichen Träume, die allein aus der Wirklichkeitsbindung erlösen könnten. Noch radikaler liefert Ivanceanu die „bukolische Idylle“ „Sodom“ der narzißtischen Verblendung aus: Das Dorf geht unter in einer Orgie des Sprachverlusts seiner Bewohner, es wird vernichtet, weil in seiner wiederum traumatischen Irrealität durch Sprache nichts mehr unterscheidbar ist, im Sprachverlust sich der Sinnverlust demonstriert.

So wie Ivanceanus eigene Bücher gehören fast alle Bücher des Rhombus-Verlags zur entschieden sprachdemonstrativen Literatur: Inhalt und Sprache oder Sinn und Sprache sind nur auf identifizierende Weise konstitutiv – was Inhalt und Sinn ist, ist anders als so, und zwar nur so, nicht zu vermitteln. Während man den Inhalt des Großteils zeitgenössischer Prosa nacherzählen und ihren – sofern vorhandenen – Sinn mit anderen Worten wiedergeben kann, ist das bei Rhombus-Literatur so gut wie unmöglich.