Mit wenigen Worten und eindrucksvollen Bildern führt Ursula Kirchberg den Betrachter in eine Geschichte ein, die zwar in Hamburg spielt, aber sich überall und täglich ereignet: Susanne lernt durch Zufall den türkischen Jungen Selim kennen, der neu in der Straße ist. Von den Kindern wird er gemieden und ausgelacht, weil sie sich nicht verstehen und weil er so "komisch" aussieht. Susanne erfährt am eigenen Leib, daß auch sie "komisch" aussieht und nicht verstanden wird, und zwar in ihrem Urlaub in Italien. So unglücklich, wie sie sich nur für kurze Zeit fühlt, so ergeht es Selim schon lange. Jetzt versteht sie den Selim. Das Buch von

Ursula Kirchberg: "Selim und Susanne"; Ellermann Verlag, München; 28 S., 15,– DM, entstand sozusagen vor der Haustür von Ursula Kirchberg. Vielleicht ist es deshalb so hautnah und so wirklich. Die Kinder können den wichtigsten Teil des Buches, der ohne Worte ist, von den Bildern selbst ablesen, ergänzen und ihren eigenen Eindrücken und Erfahrungen freien Lauf lassen. Erst dann wird behutsam, mit schlichten Worten, der Schluß erzählt.

Ein Plädoyer für die Toleranz, die in unserer Zeit oft sehr klein geschrieben wird und nicht früh genug geübt werden kann. Das außerordentlich wichtige Bilderbuch sollte weite Verbreitung finden in Kindergärten, Schulen und vor allem in der Familie.

Marie-Thérèse Schins-Macbleidt