Die neue Bundesanleihe droht, für die Banken zum Ladenhüter zu werden, besonders die zehnjährige Tranche mit ihrer Rendite von 6,64 Prozent. Angesichts der Gewißheit, daß der Zins in den nächsten Jahren wieder steigen wird, sind Langläufer weder beim Publikum noch bei den Rentenfonds unterzubringen.

Die Kreditinstitute halten sich mit Neuanlagen zurück, weil sie damit rechnen, daß sie noch vor dem Jahresende sogenannte Carter-Bonds in Hohe von 3 bis 3,5 Milliarden Mark übernehmen müssen, wobei die Konditionen noch endgültig auszuhandeln sind. Diese Gelder wollen die Amerikaner zur Dollar-Stützung einsetzen.

Belastet wird der Rentenmarkt aber auch noch durch das hohe Volumen neuer auf Mark lautender Auslandsanleihen, besonders auch deshalb, weil einige der zuletzt aufgelegten, Emissionen nicht mehr zu marktgerechten Konditionen angeboten wurden und deshalb bei den Konsortialbanken hängengeblieben sind.

Die Vorgänge am Rentenmarkt hinterlassen bei den Aktien ihre Spuren. Aber es ist nicht nur die Zinsmisere allein, die bei ihnen zu einem Klimawandel geführt hat. Mit großem Unbehagen wird die zunehmende Schärfe der Tarifauseinandersetzungen verfolgt. Ihr Ausgang entscheidet letztlich darüber, ob die für 1979 angestellten Gewinnschätzungen realistisch sind oder nicht. Sie beruhen darauf, daß die Tarifabschlüsse der kommenden Runde deutlich unter den Ergebnissen dieses Jahres bleiben werden. Nur Optimisten, können aber heute noch darauf hoffen.

Insofern ist es Verständlich, wenn alle Nachrichten über den günstigeren Verlauf der Konjunktur, über Dividendenerhöhungen oder Gewinnbesserungen dem Aktienmarkt nicht geholfen haben, zu seinem alten Schwung zurückzufinden. Es scheint aber, so zu sein, daß die leichte Schwäche der vergangenen Tage im wesentlichen durch Gewinnmitnahmen entstanden ist, und zwar von Leuten und Institutionen, die auch heute noch Kursreserven in den Aktien vermuten und sie zu niedrigeren Kursen zurückzuerwerben trachten. K. W.