Mit dem "Kreuzberger Zentrum", in Berlin steht wieder einmal eine "Abschreibungsfirma" vor dem Ruin. Die Kommanditisten verlieren nicht nur ihre Einlagen, sondern müssen im Falle eines Konkurses mit einer Nachversteuerung von rund 15 Millionen. Mark rechnen. Wer Geld nach Berlin gibt, um Steuern zu sparen, sollte deshalb die Objekte genau prüfen, an denen er sich; beteiligen will.

Auch an diesem, Jahresende werden die Steuerzahler von einer Viclzahl sogenannter "Abschreibungsfirmen" umworben, obwohl gleichzeitig der Gesetzgeber bemüht ist, so die Westdeutsche Landesbank in einer Aufklärungsschrift, "ein immer engeres Netz aus Gesetzen, Erlassen und Anordnungen zu stricken, um die Möglichkeiten der steuerlichen Verlustzuweisung einzuschränken".

Diese Tendenz bringt es mit sich, daß nicht alle Versprechungen, die in den Prospekten der Abschreibungsfirmen in steuerlicher Hinsicht gemacht werden, auch in Erfüllung zu gehen brauchen. Leider, stellt sich das aber erst heraus, wenn das für die Beteiligungsgesellschaft zuständige Betriebs-Finanzamt die errechneten steuerlichen Verluste im Rahmen einer Betriebsprüfung anerkannt hat. Diese Prüfung erfolgt nach Fertigstellung des Objektes, häufig erst nach einigen Jahren. Bis dahin erhält der Kapitaleinigen zwar die Möglichkeit, die prospektierten Verluste bei seinen Einkommensteuer-Vorauszahlungen zu berücksichtigen; aber endgültig sind damit die versprochenen steuerlichen Verluste nicht.

Umstritten ist vor allem die von der Finanz-Verwaltung im Erlaß des Bundesfinanzministeriums vom 30. März 1976 geäußerte Meinung, daß die Emissionskosten nicht sofort in voller Höhe abzugsfähig sind, vielmehr aktiviert werden und auf die Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden; müssen. Zwar stellen einige Finanzgerichte diese Auffassung in Frage, doch scheint es so zu sein, daß die Vertriebskosten zur Zeit nicht ohne weiteres als Werbungskosten, anerkannt werden.

Besonders lukrativ sind, wegen der vielen Förderungsmöglichkeiten, Berliner Objekte, besonders im öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau. Da die Nachfrage nach Sozialwohnungen nach wie vor groß ist und auch bleiben wird, ist das Vermietungsrisiko gering, zumal die Miete durch Zuschüsse und Darlehen an den Hausbesitzer auf 4,50 bis 4,90 Mark monatlich je Quadratmeter heruntersubventioniert wird, allerdings zunächst nur für einen Zeitraum von 15 Jahren. Bis dahin zahlt die Stadt Berlin die Differenz zur echten Kostenmiete, die zwischen 15 und 17 Mark monatlich je Quadratmeter liegen dürfte. Natürlich erkennt man in Berlin – nicht jede Kostenmiete als "förderungswürdig" an. Die Wohnungsbaukreditanstalt Berlin (WBK) stellt von Fall zu Fall fest, welche Beträge förderungswürdig sind. Dabei billigt sie dem eingesetzten Eigenkapital für den Mindestanteil (15 Prozent

des Gesamtaufwandes) eine Verzinsung von 4 Prozent zu, für den darüber hinaus gehenden Eigenkapitalbetrag 6,5 Prozent. Die Mischrendite des WBK-konformen Eigenkapitals liegt normalerweise zwischen 4 und 5 Prozent. Wenn sich die am Beteiligungsmarkt angebotenen Gesellschaftsanteile am Berliner sozialen Wohnungsbau jedoch nur mit 1,5 bis 3 Prozent verzinsen, dann liegt dies an dem Aufschlag, den die Initiatoren für Kosten und Gewinn machen. Je niedriger die Eigenkapitalverzinsung, desto höher der Gewinn der Anbieter, die bei jedem Objekt Millionengeschäfte machen. Sie verdienen mit Sicherheit.

Wo sich die Initiatoren ihre Stücke aus dem Kuchen herausschneiden, mögen Sie an nachfolgendem Beispiel ersehen, meine verehrten Leser. Es handelt sich um den "Investitionsplan" eines am Markt befindlichen Abschreibungsobjektes: