Von Hans C. Blumenberg

Am 28. Juni 1979 wird Eric Ambler siebzig Jahre alt, und niemand, der sich auch nur halbwegs im Thrillergenre auskennt, wird ihm noch den Rang eines Klassikers streitig machen. Seit der Diogenes-Verlag nun inzwischen alle siebzehn Ambler-Romane in brauchbaren Übersetzungen herausgebracht hat und zum 70. Geburtstag sogar einen Sammelband „Über Eric Ambler“ plant, muß man sich nicht mehr auf die altbekannten Lobpreisungen (Helmut Heißenbüttel: „Einer der bedeutendsten lebenden Autoren überhaupt“) berufen, um den Meister des politischen Kriminalromans gegen die notorischen Verächter der sogenannten Unterhaltungsliteratur zu verteidigen. Ambler selber bekennt mit ironischem Understatement: „I’ve become respectable.“

Das war nicht immer so. Amblers erster Roman „Der dunkle Grenzbezirk“ entstand 1935 mit der erklärten Absicht, ein Genre zu revolutionieren, das von Figuren wie Sapper („Bulldog Drummond“) und John Buchan („Die 39 Stufen“) beherrscht wurde, deren kernige Helden mit tadelloser Pfadfindermoral finstere ausländische Agenten zur Strecke brachten, bei Sapper vorzugsweise Juden und Kommunisten. Zumal mit fünf Romanen, die zwischen 1937 und 1941 erschienen, vermittelte Ambler dem bis dahin von reaktionärer Naivität geprägten Spionageroman eine neue Dimension. Die Hauptfiguren von Büchern wie „Ungewöhnliche Gefahr“, „Anlaß zur Unruhe“ oder „Nachruf auf einen Spion“ sind keine brillanten, tollkühnen Supermänner, sondern höchst durchschnittliche Zeitgenossen, die ganz zufällig in ebenso gefährliche wie komplexe Situationen geraten, denen sie keineswegs gewachsen sind.

Ein kompetenter Krimineller

„Ich mag keine Helden“, sagt Eric Ambler, der sich denn auch mehr von Kafka, Dostojewskij und Pirandello beeinflußt fühlt als von der einschlägigen Spannungsliteratur. Doch anders als sein Freund Alfred Hitchcock entwirft er keine Welt der namenlosen metaphysischen Schrecken, sondern stellt seine Figuren in einen konkreten historischen Rahmen, läßt sie zappeln, demonstriert, wie die großen politischen Intrigen das Leben kleiner Männer verändern: vom englischen Ingenieur, der in Mailand in ein faschistisches Komplott verwickelt wird („Anlaß zur Unruhe“, 1938) bis zum „Levantiner“ aus dem Jahre 1972, einem Beiruter Kaufmann, der eher zufällig in palästinensische und israelische Umtriebe gerät.

Ambler ist ein politischer Romancier, aber keiner, der seine Bücher so komplett mit Daten und Informationen vollstopft, daß die Spannung auf der Strecke bleibt. Am schlimmsten findet er Bücher, wie seriös ihre Ambitionen auch sein mögen, die den Leser langweilen. Was allerdings keineswegs bedeutet, daß er selber das Publikum mit vordergründigen Thrill-Effekten behelligt. Amblers Mittel, Spannung zu erzeugen, sind viel subtiler, sie haben mehr mit seinen vielfach verschlungenen Konstruktionen und kontrastierenden Erzählperspektiven zu tun als mit Mord und Totschlag, die allenfalls am Rande vorkommen.

Mit seinem neuen Buch –