Viele Reiseveranstalter und Winterorte überlassen ihre Gäste nicht mehr hilflos der Langeweile ergebnisloser Abende und aktionshemmender Schlechtwetterperioden. Spezielle Animateure und eine auf Unterhaltung gedrillte Reiseleitercrew werden in dieser Wintersaison überall im Alpenraum zur organisierten Kurzweil und Stimmungsmache eingesetzt.

Neckermann/GUT-Reisen beispielsweise, vor sieben Jahren einer der touristischen Vorreiter für winterliche Urlaubsbeschäftigungstherapien, verteilt diesmal 50 Stimmungsmacher auf seine kalten Ferienziele. Als "Partner im Schnee" sollen sie an ruhigen Urlaubsorten für erheiternden Trubel und in großen Wintersportregionen für ein diquenhaftes Zusammengehörigkeitsgefühl der eigenen Gästeschar sorgen.

Das Ausbildungsseminar der 50 Schneepartner und -partnerinnen fand zum Saisonauftakt im österreichischen Sölden statt. Animation im Wintersport, Spiele, Grundsätze menschlichen Verhaltens, Reklamationsbearbeitung, Einführung in Schnee- und Lawinenkunde, Bergrettung und Pistenregeln sind die Themen des Reiseleiter -Trainings. Die gängigen Würfel-, Denk- und Kartenspiele werden ebenso gepaukt wie Versicherungsprobleme nach einem Rodelunfall. Die Stichwortkartei der Animationsstudenten reicht von A wie Apfelsinentanz über E wie Elefantenwaschen bis W wie Wadenfühlen.

Und wenn die beschäftigungstherapeutisch gedrillten Reiseleiter ihrer ersten erwartungsfrohen, verärgerten, kontaktarmen oder ermatteten Gästeschar gegenübertreten, besitzen sie nicht nur eine umfangreiche Spielothek, sondern auch schriftlich fixierte Erfolgsregeln für einen Bunten Abend: "Je mehr Gäste einen eigenen Beitrag zum Programm beisteuern, desto besser wird der Abend gelingen" oder "Immer dann, wenn die Stimmung sinkt, hat der Partner im Schnee einen Griff ins eigene Repertoire zu tun, um die Stimmung wieder anzuheizen."

Wer heuer an einem kalten Winterabend durch seinen Ferienort im Ötztal, Grödnertal oder Zillertal, in Saalbach, Mittenwald oder in der Wildschönau bummelt, muß damit rechnen, von einem anderen Touristen angebettelt zu werden: "Bittschön, würden Sie mir Ihre Schnürsenkel schenken?" oder: "Leihen Sie mir doch für eine Stunde Ihren linken Handschuh!" Bei solch seltsamen Bittstellern handeltes sich nicht etwa um Pistenrausch-Geschädigte, sondern um animierte Urlauber auf Pintenrallye. Das ist eine der beliebtesten Unterhaltungsveranstaltungen, die einmal wöchentlich stattfindet. Dann zieht der "Partner"-Trupp von Kneipe zu Kneipe und löst zwischendurch ein paar komische Aufgaben: Die Gruppenmitglieder müssen Wäscheklammern oder Handschuhe sammeln, den örtlichen Schmied um alte Hufeisen angehen oder lange Leinen aus zusammeageknoteten fremden Schnürsenkeln anschleppen.

Die zwischendurch konsumierten Drinks erleichtern auch der normalerweise zurückhaltenden Urlaubern das Mitmachen. Wie überhaupt Hochprozentiges fest in viele Animaticnsstrategien eingeplant ist. Zur Pistenführung für Neuankömmlinge gehören "Einkehrschwünge" in die diversen "Jagateestationen", der Pauschalpreis eines Schweinshaxen-Essens in einem dörflichen Winterstall beinhaltet selbstverständlich zwei Obstler, und ein Bunter Abend mit Gesellschaftsspielen gelingt meistens auch nur nach dem Ausschank geistiger Getränke. Total nüchtern läßt sich schließlich kaum ein reisender Bundesbürger dazu animieren, beim sogenannten "Mumienwickeln" einen anderen Gast mit Toilettenpapier einzurollen oder beim "Pflasrersuchen" mit verbundenen Augen versteckte Pflaster am Körper eines Mitspielers zu suchen.

"Hinterher schwärmen alle noch lange von dem gelungenen Abend", versichert allerdings Peter Boritsch, Erfinder und Leiter der "Partner"-Animation. Außerdem ist die Teilnahme freiwillig. Und wer beim besten Willen keinen Sinn für derartig deftige Komik entwickeln mag, kann immerhin noch von den seriösen Hilfsangeboten der "Partner" profitieren: vom kostenlosen sachkundigen Rat beim Leihen der Skiausrüstung beispielsweise, von geführten Wanderungen, Pferdeschlittenausflügen oder dem bei Schlechtwetter kurzfristig angesetzten Skatturnier.