Medizinische Versuche an lebenden Tieren?

Allgemein läßt sich sagen, daß das menschliche Leben über das eines Tieres zu stellen ist. Daher liegt ein Grund für medizinische Tierversuche, die ja meist tödlich ausgehen oder zumindest dem Tier unvorstellbare Qualen verursachen, nur dann vor, wenn der Tod des Tieres zur Rettung von Menschenleben beiträgt, also bei der Erprobung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden gegen bislang unheilbare Krankheiten oder gegen das Versagen lebenswichtiger Organe. Es ist klar, daß man solche lebensgefährlichen Verfahren vorher an. Tieren ausprobiert haben muß. Aber auch dabei sollte man nicht so übertreiben, wie es beispielsweise unlängst bei der Transplantation eines Affenkopfes geschah, bei der ja vorauszusehen war, daß das Tier danach nur noch ein kurzes, qualvolles Leben zu fristen hatte. Von einem bestimmten Punkt ab ist die Achtung vor dem (Tier-)Leben über den wissenschaftlichen Forschungsdrang zu stellen. Allzu oft ist es aber auch so, daß die Lebewesen nur zu Demonstrationszwecken mißhandelt werden (Schulen, Universitäten). Gegen all solche Untaten müssen alle Regierungen so bald wie möglich zu Felde ziehen, da anderenfalls diese Mißachtung gegenüber Tierleben auf Menschenleben übergreifen und dann zu solch grausamen "Experimenten" führen könnte, wie sie im Dritten Reich an Juden praktiziert wurden. Joachim Ragnitz, 17 Jahre

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Im Bereich der Humanmedizin halte ich es für unerläßlich, auf der Suche nach neuen Heilmöglichkeiten alles Erdenkliche zu unternehmen. Das schließt selbstverständlich auch Experimente an Tieren ein. Ich habe jedenfalls kein schlechtes Gewissen, wenn Tiere mit Krebszellen geimpft und an ihnen verschiedene Verfahrensweisen angewendet werden, um bei der Krebsbekämpfung Fortschritte zu erzielen. "Und wo bleibt die Ethik?" mögen manche fragen, die guten Willens Tiere nicht opfern wollen. Ihnen möchte ich sagen: Der Mensch ist das Maß aller Dinge, und darum sollte sein Wohl das Kriterium unseres Handelns sein. Manfred Resch, 17 Jahre

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Warum der Mensch immer glaubt, er sei mehr wert als die Tiere? Es muß die vom Menschen geschaffene "rechtfertigende" Religion sein, die ihn immer als die Krönung der Evolution darstellt. Er ist aber nur ein Zahnrad in dieser Entwicklung, genauso wie die Versuchstiere Affe und Ratte. Der homo sapiens hat also nicht das Recht, Tiere aus Forschungsdrang zu töten, damit seiner Art ein Überleben in der von ihm selbst zerstörten und vergifteten Umwelt gesichert wird.

Martin Lorenz, 15 Jahre