Kritische Überlegungen zu neuen Drucktechniken und zum Lichtsatz an Hand neuer Bücher über Gutenbergs Erfindung und die Folgen

Von Norbert Denkel

Meine Großeltern schrieben Deutsche Kurrentschrift und lasen Fraktur, meine Eltern lernten Sütterlin und lateinische Buchstaben: in der Schule, mußten aber auch Fraktur lesen können. Und 1944 wurde von mir als Schulanfänger die Deutsche Normalschrift verlangt.

Legt man heutigen Lese-Lernern Sütterlin oder Fraktur vor – sie können es nicht mehr entziffern. Seit es die Schrift gibt, ist sie immer auch bis in den letzten i-Punkt Teilgestalt der Kultur. Und teilt deren Schicksale. Deutlich wird das spätestens dann, Wenn krasse Wechsel vorgeschrieben werden. Zum Beispiel im Dritten Reich: im Blick nach rückwärts auf ursprünglich "Deutschstämmiges" wurde die "deutsche" Fraktur zur Staatsschrift deklariert. Die Schriftregelung als konsequentes Pendant zur Sprachregelung. Ironischerweise ist das ein historischer Irrtum, "weil die Fraktur eine Schrift jüdischen Ursprungs ist, die Adolf Hitler 1941, durch Führererlaß, in Umkehrung der Konsequenz verbieten lassen mußte".

Dies steht so, neben vielem anderen, in einem kleinen Buch von Karl Gerstner: "Kompendium für Alphabeten". Es ist das kurzweiligste Traktat über die Schwarze Kunst und das Kunststück Buchstabe, das man sich vorstellen kann. Und das will bei diesem Metier etwas heißen.

Genau betrachtet aber kein Zufall, denn der Verfasser ist einer der beiden Gründer von Gerstner und Kutter, abgekürzt GGK. Diese vor 19 Jahren erstmals auftretende Schweizer Werbeagentur war von Anfang an darauf aus, alles logischer und moderner zu machen als die Konkurrenz. "Beharrlich, die alten Dinge auf etwas andere Weise zu machen", so lautet das Understatement von Markus Kutter, dem anderen Gründer der Agentur.

Programm als Prinzip Hoffnung