Von Richard Gaul

Die Erleichterung ist echt: Heinz Nixdorf ist froh, daß sein Unternehmen nicht Teil des VW-Konzerns wird. Vor Journalisten, auf Betriebsversammlungen und im Gespräch erscheint Nixdorf wie von einer Last befreit: Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Firma ist noch einmal gerettet.

Sie war bedroht von einem Großkonzern, seiner Bürokratie, seinen Organisationsmethoden. Nixdorf malt den Moloch einer Konzernwirtschaft an die Wand. Er scheint vergessen zu haben, daß er selbst vor einigen Monaten für Avancen aus Wolfsburg ein offenes Ohr hatte und "Sondierungsgespräche" führte.

Der Widerspruch wird verständlich aus der Person des Gründers, Eigentümers und Vorstandsvorsitzenden der Nixdorf Computer AG. Mit 28 Jahren hat er 1952 in einer Kellerwerkstatt sein "Labor für Impulstechnik" eingerichtet; der Student der Physik und Betriebswirtschaft wollte selbst Rechenmaschinen bauen. Heute nach beispiellosem Aufstieg leitet er ein Unternehmen mit zehntausend Mitarbeitern und einer Milliarde Mark Umsatz – und ist im Grunde der Tüftler von einst geblieben.

Nixdorf, für den sein Unternehmen Lebenswerk und Lebensinhalt ist, hat deshalb tatsächlich geglaubt, ein Konzern wie VW würde sich mit einer bloßen Finanzbeteiligung ohne unternehmerischen Einfluß begnügen. Ein Minderheitspaket wollte er deshalb auch an VW abgeben – und das Sagen behalten.

Horror vor Bürokratien

Naiv findet Heinz Nixdorf diesen Glauben auch heute noch nicht. Er hatte in der Vergangenheit anderes zu tun, als sich um die Pläne von VW zu kümmern. Die Absichten von VW-Chef Toni Schmücker wurden für ihn erst interessant, als sie ihn betrafen. Da hat er sich dann informiert, da hat er dann gemerkt, was ihn erwartet und deshalb die Notbremse gezogen: Er ließ die Verhandlungen am Bußtag platzen.