George Duke: "The Dream". Man spürt, wieviel Spaß dem amerikanischen Jazz-Pianisten diese Schallplatte gemacht hat, Spaß am Spiel und Spaß am Spielen mit all den technischen Gelegenheiten, die ein raffiniertes Aufnahmestudio einem phantasievollen Musiker eröffnet. Was George Duke in dreiwöchiger Arbeit hier hervorgebracht und gemischt, was er – nur unterstützt vom Toningenieur Kerry McNabb – Spur für Spur aufgenommen hat, ist eine amüsante, manchmal etwas zu gefällige und weniger lyrische als sentimentale, dann und wann auch zu tanzende Unterhaltungs-Jazzrockmusik, die sich am liebsten rhapsodisch ergeht Das gilt für das Spiel ebenso wie für die überraschenden Klänge, die Duke aus dem Synthesizer entwickelt und auf Klavier, Schlagzeug und allerlei Perkussionsinstrumenten glöckchenklingend und schwirrend ergänzt. Es gibt traumverlorene Passagen auf dem Klavier, es gibt; unter stumpfen Trommelschlägen stockend, vorwärtstapsenden Soul-Rock, es gibt viele phantasievolle Reflexionen. (MPS 0068.183, MC 0668.183)

Manfred Sack

Ärgerlich

Peter Tosh: "Bush Doctor". Die Kommerzialisierung der Reggae Music für ein weißes Pop-Publikum, das originalen "roots reggae" nur bedingt akzeptierte, ist offenbar unaufhaltsam. Auch Peter Tosh, Mitbegründer der Wailers, hat sich dem allgemeinen Trend angeschlossen, wenn diese Platte als Indiz genommen werden darf. Anstatt einen tranceähnlich verschleppten Beat zu halten, spielen Robbie Shakespeare am Baß und Schlagzeuger Sly Dunbar eine geradezu flotte Rhythmusbegleitung. Auch die Texte sind sloganartig für weiße Zuhörer verwässert, und Peter Tosh singt in einer mit viel Hallraum abgemischten Stimme beinahe schlagerähnliche Melodien, während im Hintergrund funky die Synthesizer zirpen und ein Gospelchor die Slogans repetiert. Manche Songs sind glatt aus dem Rhythm & Bluesplus-Reggae-Lehrbuch von Fred "Toots" Hibbert geklaut. Überhaupt hat letzterer das Credo dieser jamaikanischen Popmusik viel bündiger mit seinem Album "Reggae Got Soul" (Island 27 049) formuliert. Und der Soundtrack zu "The Harder They Come" (Island 86 381), der unter anderem die Originalversion von "Rivers of Babylon" enthält, ist immer noch lehrreicher als die neuen Unterweisungen des Buschdoktors Peter Tosh. (Rolling Stones Records 1 C 064–61 708)

Franz Schöler