Von Rudolf Walter Leonhardt

Verlagsdirektor Marmaduke Hussey, genannt The Duke, hat sich bereit erklärt, die Kündigungen erst in zwei Wochen herausgehen zu lassen, so daß die mehr als viertausend Angestellten und Arbeiter der "Times Newspapers Limited" bis über die Weihnachtstage hinaus noch ihren vollen Lohn bekommen, auch diejenigen von ihnen, deren Kündigungsfrist nur zwei Wochen beträgt. Aber die Einstellung der Times aufheben, mochte er nicht. Sie war für den 30. November angekündigt worden, und dabei sollte es bleiben. Vor vier Jahren, als die ganze Misere so richtig anfing, hatte der Verlag schon einmal mit Einstellung des Blattes gedroht. Hätte er auch diesmal wieder nachgegeben, so wäre zu fürchten gewesen, daß die 54 gewerkschaftlichen Verhandlungspartner, mit denen er es zu tun hat, darin ein Zeichen von Schwäche gesehen hätten. Gerade damit aber soll Schluß sein; ein frischer Wind aus Kanada, dem Heimatland des Times-Eigentümers, soll den englischen Gewerkschaftssumpf austrocknen.

Wer die Times mit den nüchternen Maßstäben des journalistischen Handwerks messen will, kommt sich als ein schnöder Frevler vor. Ihre 193jährige Tradition ist ehrfurchtgebietend. Ihre Nachkriegsgeschichte ist freilich eher verwirrend. Und ihre Zukunft ist ungewiß.

Die ehrfurchtgebietende Tradition

Als der Kohlenhändler John Walter am 1. Januar 1785 ein neues Mitteilungsblättchen gründete und Daily Universal Register nannte, konnte er das kaum für eine sonderlich bemerkenswerte Tat halten. Die Umbenennung des Blättchens in Times, drei Jahre später, war dann allerdings schon clever. Daß Mr. Walter sich seine Sympathien für die Regierung Pitt von dieser mit jährlich 300 Pfund honorieren ließ, zeugt zumindest für einen gut entwickelten Geschäftssinn.

Und dann hatte er Glück. Im Nachbarland Frankreich brach die Revolution aus und dauerte lange genug, um den Times-Lesern über Jahre hinweg faszinierenden Lesestoff zu bieten.

Sie erfuhren: "Die Streitigkeiten, die nun schon seit einiger Zeit unser Nachbarkönigreich erschüttern, haben sich jetzt so zugespitzt, wie es niemand hätte voraussehen oder auch nur vermuten können... Es gibt keine persönliche Sicherheit mehr und keinen Schutz des Eigentums; dazu ist das Leben der ersten Männer im Staat in solch unmittelbarer Gefahr, daß sie gezwungen sind, ihr Land zu verlassen und Zuflucht in unserem Land der Freiheit zu suchen" (20. Juli 1789). Der Stil der Times hat sich eigentlich in zweihundert Jahren so sehr nicht geändert.