In der Vorweihnachtszeit machen sich’s die Stuttgarter wohnlich. Sie richten ihre Innenstadt ein wie eines der Häusle auf den Hängen rundherum. Die drei guten Stuben der Stadt – der Marktplatz vor dem Rathaus, der Schillerplatz und der Karlsplatz – werden aufgeputzt mit buntschillernden Buden, die Fußgängerzonen, welche die städtischen Wohnzimmer wie Flure verbinden, leuchten in schönglitzerndem Weihnachtsschmuck. Und plötzlich ist die ganze kleine Innenstadt zu einem riesengroßen Weihnachtsdorf geworden, plötzlich – der Schwabe sagt nicht "duftet", er sagt treffender "schmeckt’s" – an allen Ecken und Kanten nach aufgesprungenen Würsten und gebrannten Mandeln, nach Glühwein, Lebkuchen, Türkischem Honig – und anfangs auch nach Steckerlfisch. (Bis der örtliche Einzelhandel wegen "Geruchsbelästigung" protestiert.)

Natürlich fehlen inzwischen die Hafner, Gerber, Waffen- und Nagelschmiede, die den – im Jahre 1692 zum erstenmal urkundlich erwähnten Stuttgarter Weihnachtsmarkt weiland beehrten, es fehlen, die Taschenspieler und Akrobaten, die ganz dicken und die ganz kleinen Leuten die Pillendreher, Seiltänzer und Tanzbären. Geblieben aber sind die Buden mit Spielzeug, Kugeln und Krippenfiguren, mit Töpfen, Tiegeln und Keramikwaren, mit Kunstgewerblichem und Grobgestricktem, mit Silberschmuck und Engelshaar.

Stolz sind die Stuttgarter auf ihren Weihnachtsmarkt mehr denn je – und dies nicht nur, weil man mit über 170 Ständen, wie der Verkehrsdirektor Peer-Ulli Faerber in diesem Jahr augenzwinkernd vermerkt, "größer ist als der Nürnberger Christkindlmarkt". Gepflegt wird schließlich auch das "Beiprogramm" zum Weihnachtsdorf im Herzen der Stadt; da musiziert’s und jubiliert’s Schlag 18 Uhr an jedem Tag, mal zart aus Hymnus-Knaben-Kehlen, mal mächtig (zur Eröffnung) mit hunderten Fischerbewegten Sängerseelen.

Zum Weihnachtsduftschnuppern gibt’s in der schwäbischen Landeshauptstadt bis zum 23. Dezember jetzt auch ein Pauschalangebot "Weihnachtsmarkt ’78": In 70 Mark sind eine Übernachtung mit Frühstück, "Willkommens-Gutsle" und eine schwäbische Wildtafel plus einem (!) Viertel Rotwein inbegriffen. Angesichts schwäbischer Trinkgewohnheiten nicht viel mehr als ein "Nasenwasser".