Der deutsche Steuerbürger wird in den letzten Wochen des Jahres mit Aufforderungen, sein Geld steuersparend anzulegen, förmlich überschwemmt. Unter der Überschrift "Verlustzuweisungen – ein zweifelhaftes Vergnügen" sind in der vorangegangenen Ausgabe der ZEIT die Probleme einer sogenannten "Abschreibungsfirma" dargestellt worden, bei der ein "negatives Kapitalkonto" entsteht. Heute geht es um einen "geschlossenen Immobilien-Fonds".

Der RCN Immobilienfonds "Rheincenter Neuss" bietet nach Unterbringung seiner ersten Tranche weitere 25 Millionen Mark zur Zeichnung an. Sie sollen Zur Finanzierung eines Objektes beitragen, dessen gesamte Investitionskosten 192 Millionen Mark betragen und für das ein Eigenkapital von 86 Millionen Mark vorgesehen ist.

Wer Anteile zeichnet, beteiligt sich an. einer Kommanditgesellschaft, die nur eigenen Grundbesitz vermietet und sonst keine weiteren Tätigkeiten ausübt. Die Einnahmen aus der Beteiligung stellen deshalb Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung dar. Zwei natürliche Personen sind persönlich haftende Gesellschafter. Sie haften mit ihrem gesamten Vermögen, der Fondssparer nur mit seiner Einlage. Es besteht keine Nachschußpflicht. Bei dieser Konstruktion gibt es auch kein negatives Kapitalkonto.

Damit ist, so glaube ich, der äußere Rahmen zunächst einmal genügend abgesteckt. Prüfen wir jetzt die Vorteile und eventuelle Risiken der Beteiligung.

Wer noch in diesem Jahr "einsteigt" (Mindestzeichnungsbetrag 20 000 Mark), kann für 1978 einen steuerlichen Verlust von 50 Prozent seiner Einlage als Werbungskosten geltend machen. In dem Zeichnungsprospekt wird versichert, daß das Betriebsfinanzamt Bad Homburg den Wohnfinanzämtern der Beteiligten amtsintern die vorläufige Verlustzuweisung von 50 Prozent bestätigt. Ob die Zuweisung in dieser Höhe "endgültig" wird, dürfte sich allerdings erst später herausstellen.

Immerhin wird der echte Kapitaleinsatz zunächst einmal vermindert, und zwar je nach persönlichem Steuersatz. Wer 50 000 Mark zeichnet – dazu kommt noch ein Agio von fünf Prozent gleich 2500 Mark – und in der Einkommensteuerprogression bei 50 Prozent liegt – hat also an eigener Liquidität 40 000 Mark aufzubringen.

Nach einer Beispielsrechnung erfolgt darauf in den Jahren, ab 1979 eine Ausschüttung von 2500 Mark steuerfrei und 1000 Mark jährlich steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Teil halbiert sich um den persönlichen Steuersatz auf 500 Mark, so daß nach Steuern insgesamt 3000 Mark anfallen, was einer Nettorendite auf den effektiven Kapitaleinsatz von 7,5 Prozent entspricht. Um den gleichen Satz auf dem Kapitalmarkt zu erzielen, muß man nach Anlagen mit einer Bruttoverzinsung von 15 Prozent suchen.