Von Manuel Pérez Guerrero

Industrie- und Entwicklungsländer ringen um eine neue Weltwirtschaftsordnung und eine neue Rohstoffpolitik. Für die ZEIT faßte Dr. Manuel Pérez Guerrero, Minister für Internationale Angelegenheiten von Venezuela und Co-Präsident der Nord-Süd-Konferenz in Paris, den Standpunkt der Dritten Welt zusammen.

Die gegenseitige -wirtschaftliche Abhängigkeit von Industrie- und Entwicklungsländern ist eine unbestreitbare Tatsache. Sie muß durch Verhandlungen auf eine gerechte, vernünftige und dauerhafte Grundlage gestellt werden.

Die wirtschaftlichen Mechanismen eines halbautomatischen Ausgleichs funktionieren nicht mehr. Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß die Entwicklungsländer erkannt haben, daß die niedrigen Rohstoffpreise nicht mehr weiterhin zur Unterstützung der Wirtschaft in den Industrieländern dienen können. Ebenso macht die Sättigung des Handels in diesen Ländern, die sich in einem immer stärkeren Wettbewerb und in protektionistischen Tendenzen äußert, die Schaffung neuer Märkte nötig.

Erstaunen und tiefe Besorgnis ruft daher hervor, daß einige der wichtigsten Industrieländer keine Bereitschaft zeigen, in den Gremien mitzuarbeiten, in denen nach Lösungen für die Nord-Süd-Problematik gesucht wird.

Das Einverständnis, daß die Lösungen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme immer mehr auf einer Stärkung der Kaufkraft der Entwicklungsländer basieren muß, wächst. Auf diese Weise könnten auch die Industrieländer den Export ihrer Investitions- und Konsumgüter in diese Länder steigern.

Das Problem der Arbeitslosigkeit in der industrialisierten Welt könnte zu einem großen Teil gelöst werden, ohne daß die Inflationsrate steigt. Parallel dazu ist es nötig, den Export nicht rentabler Industriezweige aus den Industrieländern in die Entwicklungsländer zu fördern und zu organisieren. Wegen ihrer geringeren Kosten können sie billiger produzieren. Daher müssen die folgenden drei Probleme in Angriff genommen werden: