Von Heinz Michaels

Zwar leben sie noch zusammen, doch gehen sie schon ihre eigenen Wege: Frans Swarttouw, der den Vorsitz im Vorstand der Zentralgesellschaft VFW-Fokker mbH innehat, sorgt sich um die Belange der holländischen Gesellschafter, und Johann Schäffler, der stellvertretende Vorsitzende, wahrt die deutschen Interessen in dem Luft- und Raumfahrtkonzern.

Noch ist allerdings ungewiß, wann die Gesellschafter annoncieren werden: Ihre Scheidung geben bekannt... "Nur wenn ein Wunder geschieht, wird das noch in diesem Jahr sein", vermutet Johann Schäffler. In Bonn, im Wirtschaftsministerium rechnet man jedoch damit, "daß noch vor Weihnachten wichtige Beschlüsse der Gesellschafter fallen".

Gerüchte über eine Auflösung der 1969 geschlossenen Firmenehe schwirrten schon seit Jahren durch die Luft. Denn die Zusammenarbeit zwischen Amsterdam und Bremen, den beiden Zentren des internationalen Luftfahrtunternehmens, war denkbar schlecht. Als es jedoch ernst wurde, zuckten die Holländer zurück.

Am 21. Dezember letzten Jahres willigte die Bundesregierung ein, das konkursreife Unternehmen VFW-Fokker zu sanieren, und machte dafür rund 400 Millionen Mark locker. In diese mißliche Lage war die Firma gekommen, weil sich für den in Bremen entwickelten Passagier-Kurzstreckenjet VFW 614 keine Käufer fanden. "Angeblich" sagten die Deutschen, die der Inländischen Verkaufsabteilung Sabotage der 614 vorwarfen. So wurde die Schuld an der Misere hin und her geschoben, gemeinsam mußten Deutsche und Holländer 1977 jedoch 160 Millionen Mark Verlust buchen.

Mit ihrem Sanierungsbeschluß gab die Bundesregierung allerdings gleichzeitig für eine neue Struktur der Luftfahrtindustrie die Parole aus: ein Dach, ein Portemonnaie, ein Management. Nur so, glaubt sie, ist der notwendige Rationalisierungseffekt zu erreichen. Bis zum Jahresende 1978, so hieß es in einem Arbeitspapier, sollte eine Fusion des in Bayern beheimateten Luftfahrtunternehmens Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) mit VFW-Fokker erfolgen.

Die Holländer wollten dabei ganz gerne mitmachen. Sie erhofften sich auch einen beachtlichen Gesellschafteranteil an einem fusionierten Unternehmen. Und noch im Frühjahr dieses Jahres, so meint ein Kenner der Verhandlungen, wäre eine "große Fusion" wohl möglich gewesen.