Die unverkäuflichen Butterberge in der Europäischen Gemeinschaft wachsen und wachsen – über 460 000 Tonnen sind es jetzt. Die einzigen, die darüber noch lachen können, sind die bestens ausgelasteten Kühlhausunternehmer, deren einzige Sorge es ist, rechtzeitig immer neue Lagerkapazitäten für den aus Steuerzahlers Tasche bezahlten Agrarüberfluß bereitzustellen – gegen gutes Entgelt, versteht sich.

Den arg strapazierten Bürgern, die sich schon lange fragen, was sie außer überhöhten Butterpreisen davon haben, versuchte Bundesagrarminister Josef Ertl deshalb jüngst wieder einmal das Vernünftige an dem gewaltigen Vorratsgebirge nahezubringen: Die Butterreserve betrage gerade ein Kilogramm pro EG-Bürger, und das sei als "Vorsorge für den Ernstfall" wohl nicht zuviel. Hamstern, argumentiert Ertl, gelte schließlich auch im Energiebereich – etwa beim Erdöl – als probates Mittel gegen Versorgungsstörungen.

Des Ministers Hausvatergefühle in allen Ehren: Das Argument ist wohl mehr aus der Butter-Bergnot geboren und wirkt nicht nur nachgeschoben, sondern ist es auch, denn die Ursache des ungewollten Butterüberflusses ist allein die verfehlte Agrarpolitik. Solche Vorräte sind auch wirklich nicht nötig, nicht mal im Ernstfall – Butter kommt schließlich nicht aus Nahost.

üth.