DIE ZEIT

Deutschland – Traum oder Alptraum?

Wird die deutsche Frage plötzlich wieder akut? Fast möchte man es meinen. Le Monde und Times schreiben Leitartikel, aus denen die Sorge spricht, die Deutschen könnten sich wieder auf den nationalen Holzweg locken lassen.

Das Perfide in der Politik

Eine Gesellschaft, in der der Sinn für Maß verlorengeht, ist gefährdet, denn das Maßlose hat keine Grenze – man weiß nicht, wohin es führt und wo es endet.

Mühsamer Anfang

Im Bewußtsein der Deutschen wird sich nur wenig verändern, wenn zu Beginn des neuen Jahres das viel gescholtene und zuweilen hoch gelobte Europäische Währungssystem doch noch seine Arbeit aufnimmt.

Eine deutsche Tragödie

Fast drei Jahre nach seiner Flucht aus der DDR und zwei Jahre nach seinem Freispruch durch ein Essener Gericht ist der ehemalige Volksarmist Werner Weinhold nun doch noch verurteilt worden.

Worte der Woche

"Leider ist die Bundesrepublik Deutschland heute mit dem traurigen Ruhm ausstaffiert, das aussperrungsreichste Land zu sein.

Zeitspiegel

Nach "Golf" und Intershop schlägt nun auch die US-Firma Levi Strauss & Co. eine Bresche in die Mauer der teildeutschen Abgrenzung.

Klose und Stamokap

"Es hat immer einen linken Flügel, einen rechten Flügel, eine Mitte gegeben Wenn ich von dem linken Flügel rede, muß ich sehr sorgfältig differenzieren: Stamokap ist eine Richtung, mit der ich überhaupt nicht übereinstimmen kann.

Vom Hamlet zum linken Haudegen

Eindeutig läßt er nicht erkenne, ob ihn die kritische Aufmerksamkeit nun freut oder schmerzt. Das jungenhafte Gesicht, zerknautscht wie immer, wenn er scharf nachdenkt, verweigert die Antwort.

Aufmucken im Kreml-Vorhof

Genossen, zumal Führer "brüderlich" verbundener Paktstaaten, streiten sich nicht. Wenn es Streit gibt im Ostblock, wird er mit diskreter Solidarität registriert; dann vermelden die Kommuniqués allenfalls "korrekte und geschäftsmäßige" Gespräche.

Wehners Warnung

Eine "Pflicht zur Argumentation" schreibt Herbert Wehner in gewohnter Strenge seiner Partei vor. Mit der Mischung aus Leichtfertigkeit, Hochmut und böser Polemik, mit der Adenauers CDU im Jahr 1959 das Godesberger Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten kommentiert habe, dürfe die SPD das neue Grundsatzprogramm der Christlichen Demokraten nicht beurteilen.

Chauvinismus in der Schule

Der deutsche Volksschullehrer hat – einem geflügelten Wort zufolge – die Schlacht von Königgrätz entschieden. Nun soll der bundesdeutsche Lehrer die Wiedervereinigung der Nation vorbereiten.

Obzönes Wort

Das furchtbare Wort, das jetzt die Runde macht und dabei soviel Staub aufwirbelt, habe ich niemals in den Mund genommen, es gehört einfach nicht zu meinem Wortschatz, solche Worte gebraucht ein wohlerzogener, normalveranlagter Mensch mit einigem Schamgefühl nun mal nicht.

Korb im leeren Fenster

Mit dem "ersten Fenster" sind die Unterhändler fast über der Hürde, das "zweite Fenster" ist noch nicht nach ihrem Geschmack und liegt, wenn das Bild erlaubt ist, auf der langen Bank.

Iran: Militärs am Ende?

Während die Militärs in der zentrale persischen Stadt Isfahan auch alle religiösen Kundgebungen zum Trauermonat Moharram untersagt haben und damit die Lage zu beherrschen meinen, wird in Teheran seit Ende vergangener Woche offen gekämpft.

Siebenschläfer im Kimono?

Wie stellt sich der neue Regierungschef Japans einen Politiker vor? Masayoshi Ohira hat sich zweier Bilder bedient, die mit seiner schläfrigen Statur weniger vereinbar scheinen.

Araber-Zwist: Ein Kampf um Kairo

In der Auseinandersetzung zwischen Präsident Sadat und seinen arabischen Rivalen geht es mehr als um die vordergründige und hinreichend bekannte Frage "Krieg oder Frieden mit Israel".

Gerangel um Gorleben

Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht brachte das Problem auf eine griffige Kurzformel: "Kritik schafft mehr Sicherheit.

Libyen: Alarmierendes Atom-Geschäft

Libyen, Land des Öls und der Wüstensonne, will ein Atomkraftwerk kaufen, liefern will es die Sowjetunion. Als dieser seltsame Handel im Oktober ruchbar wurde, gab es weder Schlagzeilen noch Dementis, obwohl die Absicht eine kleine Sensation wert gewesen wäre.

Vergiftete Atmosphäre

Jetzt wird dem Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann angst und bange vor den Geistern, die er zwar nicht vorsätzlich rief, die aber bei solchen Tönen kommen mußten.

Erste Hilfe mit Wörterbuch

Schon in der vergangenen Woche war in einer hannoverschen Buchhandlung eine ungewöhnliche Bestellung eingegangen. Das niedersächsische Ministerium für Bundesangelegenheiten, auch zuständig für Asylfragen, hatte mehrere Exemplare eines deutsch/vietnamesischen Wörterbuchs geordert.

Der Presse-Richter geht

Daß Hamburg "intelligente Richter" habe, mag eine banale Feststellung sein; hingesagt aber von jemandem, der als unabhängiger Jurist und Pressemann aus jahrzehntelanger Erfahrung derart urteilen darf, ohne in den Rudi der Anmaßung zu geraten, heißt selbstverständlich: es habe besonders intelligente Richter.

Sie hungern für ihre alte Heimat

Das vorerst letzte, was Stefan Lichtrauter, 64 Jahre alt und Senior der Bürgerinitiative "Rheinpreußen-Siedlung" im Duisburger Stadtteil Homberg, zu sich genommen hat, war ein Schnitzel mit Pommes frites.

Braune Nostalgie

Hermann Görings Obstbesteck – ein Messereben und eine Gabel – ist heute unter Freunden 400 Mark wert. Seine unbeschriebenen Briefbogen mit Kopftitel "Reichsmarschall des Großdeutschen Reichs" rangieren bei 100 Mark.

Zauber von Bonn

Wenn sie das Glück hatten, auf der diplomatischen Bühne eine Hauptrolle zu spielen und selber hinzuhören verstanden, schreiben Botschafter hinterher fast so gern ihre Erinnerungen wie Schauspieler.

Zur Kritik über "Das Bündnis": Widerspruch

Der Rezensent beurteilt frei, ob ein Buch gut oder schlecht ist. Ist er aber berechtigt, ein Buch, das den "Wald" beschreibt, so zu kritisieren, als habe der Autor das "Meer" darstellen wollen? "Das Bündnis" (Untertitel: "Die westeuropäischen Länder und die USA seit dem Krieg") ist kein "Europa-Buch".

Verlängerung

Der 30. November 1978 wird für den Oberamtsmeister Theodor J. sicher unvergeßlich bleiben. An diesem Tag nämlich, mitten im mündlichen Anhörungsverfahren zur Mitbestimmungsklage, ging er in den Ruhestand.

Windschatten

Heinz Kluncker genießt, außerhalb seiner Klientel der Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes, einen zwiespältigen Ruf: den eines Gewerkschaftsführers, der seine Interessen wirksam durchsetzt, der dabei aber rücksichtsloser zu Werke geht als manche seiner Kollegen.

Bonner Kulisse

Der Neubau der Ministerien, für Justiz, Bildung und Forschung – nun schon ein paar Jahre alte – sollte den Bundeshaushalt eigentlich entlasten.

Des Schahs Generäle – geschmiert

Verlassen die Ratten das sinkende Schiff? Dem Dokument zufolge, welches die Beschäftigten der Persischen Zentralbank während ihres Streiks veröffentlichten, haben 180 Angehörige der Schahfamilie zwischen dem 21.

In Bergnot

Die unverkäuflichen Butterberge in der Europäischen Gemeinschaft wachsen und wachsen – über 460 000 Tonnen sind es jetzt. Die einzigen, die darüber noch lachen können, sind die bestens ausgelasteten Kühlhausunternehmer, deren einzige Sorge es ist, rechtzeitig immer neue Lagerkapazitäten für den aus Steuerzahlers Tasche bezahlten Agrarüberfluß bereitzustellen – gegen gutes Entgelt, versteht sich.

Heinz Nixdorf: Der Tüftler aus Paderborn

Die Erleichterung ist echt: Heinz Nixdorf ist froh, daß sein Unternehmen nicht Teil des VW-Konzerns wird. Vor Journalisten, auf Betriebsversammlungen und im Gespräch erscheint Nixdorf wie von einer Last befreit: Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Firma ist noch einmal gerettet.

"Die Monopole entmachten"

ZEIT: Herr Albers, nachdem es um Stamokap zumindest in der Öffentlichkeit ziemlich ruhig geworden war, hat der Hamburger Bürgermeister Klose durch Verwendung dieses Begriffs in einem Interview schlafende Hunde geweckt – die ihn nun auch recht laut verbellen.

Der grüne Riese am Rhein

Die Bayer AG in Leverkusen ist preisverdächtig. Der Chemiegigant, mit 21 Milliarden Jahresumsatz an siebter Stelle unter den hundert größten deutschen Unternehmen und Arbeitgeber von 113 798 Beschäftigten, müßte eigentlich große Chancen haben, im kommenden Jahr den Umweltpreis der Stadt Leverkusen zu gewinnen.

"Ich bin Industrieller"

• Herr Dr. Flick, die Flick-Gruppe hat mehr als die Hälfte des beim Verkauf der Daimler-Aktien erzielten Gewinns von 1,9 Milliarden Mark im Ausland, genauer gesagt in den USA, angelegt.

Zeitraffer

An den verregneten Sommer 1978 werden die deutschen Bauern lang und gern denken, denn er hat ihre Kassen wieder aufgefüllt: Um über 2500 auf knapp 20 500 Mark ist das Reineinkommen je Familienarbeitskraft im Wirtschaftsjahr 1977/78 gestiegen, rechnet der Deutsche Bauernverband jetzt vor.

Auslandsinvestitionen: Der Trend schlug um

Seit 1975 registriert, die Deutsche Bundesbank "eine deutliche Wende" bei den Direktinvestitionen. In den Jahren, 1972 bis 1974 hatten noch die Kapitalimporte auf Grund ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland die Investitionen deutscher Firmen im Ausland um gut eine Milliarde, Mark übertroffen.

Manager und Märkte

BP-Chef Hellmuth Buddenberg, der bei der Benzinpreiserhöhung im Februar den Vorreiter gemacht hatte, bildet nun das Schlußlicht.

Kollekte für den Stromerzeuger

Vollen Kassen bei den Stromverteilern stehen in Bayern Ertragsprobleme bei dem Elektrizitätserzeuger gegenüber: Statt die Struktur gründlich zu verändern, wird; in regelmäßigen Abständen nur an den Verrechnungspreisen zwischen den Unternehmen gedreht.

"Ein letzter Versuch"

Industrie- und Entwicklungsländer ringen um eine neue Weltwirtschaftsordnung und eine neue Rohstoffpolitik. Für die ZEIT faßte Dr.

Die späte Reue der Chemie

Wenn die Entscheidung heute noch einmal getroffen werden müßte", sagt John Harvey-Jones, stellvertretender Vorsitzender des britischen Chemiekonzerns ICI, "würde das Ergebnis wahrscheinlich anders aussehen.

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