Die iranischen Militärbehörden sind kaum mehr Herr der Lage: Blutige Unruhen zu Beginn des Trauermonats fordern täglich Tote, die Wirtschaft ist durch Streiks gelähmt.

Während die Militärs in der zentrale persischen Stadt Isfahan auch alle religiösen Kundgebungen zum Trauermonat Moharram untersagt haben und damit die Lage zu beherrschen meinen, wird in Teheran seit Ende vergangener Woche offen gekämpft.

Die Schießereien konzentrieren sich auf den Süden der Stadt und das Basargebiet. Im Morgengrauen des Montags griffen Demonstranten nach einer Darstellung des iranischen Rundfunks mit Handgranaten und Maschinengewehren eine Polizeistation an. Beobachter gehen davon aus, daß bei den Kämpfen in den vergangenen Tagen mehr als 1000 Menschen im ganzen Land ums Leben gekommen sind.

Tausende von Arbeitern in der Erdölindustrie des Landes haben am Montag ihren Streik wieder aufgenommen und schufen damit eine neue Herausforderung für das Regime des Schahs. Die Produktion auf den südlichen Ölfeldern ist von 5,9 Millionen Barrels auf 3,8 Millionen zurückgegangen (ein Barrel gleich 159 Liter). Der tägliche Einnahmeverlust beläuft sich nach Expertenschätzungen auf mindestens 25 Millionen Dollar.

Beleg für die unsicheren Überlebenschancen, die dem Schah-Regime in internationalen Finanzkreisen eingeräumt werden, ist auch die Titsache, daß der Iran eine langfristige Anleihe auf den Finanzmärkten nicht unterbringen konnte. Damit ist der Schah gezwungen, auf seine Devisenreserven zurückzugreifen, die gegenwärtig noch etva zehn Milliarden Dollar betragen dürften.

Unterdessen bleiben die Geschäfte in vielen persischen Großstädten geschlossen. Versorgungsengpässe der Bevölkerung zeichnen sich ab. Meldungen über regierungsfeindliche Demonstrationen liegen aus Isfahan, Schiraz, Qom und Teheran vor. Die Stromabschaltungen in Teheran werden immer häufiger, dauerten bislang jedoch nie länger als drei Stunden. Diese Beschränkung geht angeblich auf einen Wunsch des Ayatollah Schariat Madari aus Qom zurück, der auf die Bediensteten der Elektrizitätswerke engewirkt haben soll.

Die französische Regierung hat inzwischen beschlossen, den im Pariser Exil lebenden Schiiten-Führer Ayatollah Khomeini zur Zurückhaltung in seinen Aufrufen gegen den Schah aufzufordern. Khomeini hatte die Armee- und Polizeiangehörigen beschworen, ihre Einheiten zu verlassen und bewaffnet zu den Widerstandskräften überzulaufen. U. V.