Oxford und Cambridge sollten auf jedem englischen Urlaubsprogramm stehen. Vor allem Oxford bietet sich für einen längeren Aufenthalt an: Die berühmte Universitätsstadt schließt sich an die zauberhafte Hügellandschaft der Cotswolds an; die honiggelben Häuser in manch kleinem Ort der Umgebung ähneln denen aus einem Bilderbuch.

Leider wissen dies die Ausländer schon fast so gut wie die Engländer selber, so daß in den Monaten Juli und August Trubel und wenig Heiterkeit herrschen; Straßen, Universitätshöfe, Kirchen und Schlösser sind überfüllt. Wer aber nur in der Hauptreisezeit fahren kann, nehme, um dem Strom der Touristen zu entkommen, an einem Kochkurs des "Centre for Management Studies", Kennington, Oxford, Tel. (0044 865) 73 54 22, teil.

Dann nämlich kann der Urlauber, nur in Begleitung seiner Kursteilnehmer, in aller Frühe einen privaten Rundgang durch Blenheim Palace und den Park machen, bevor das Publikum hereingelassen wird. Er wird auch bei Lord und Lady Say and Sele eingeladen, liebenswerten Engländern, wie sie im Buche stehen. Sekt und Erdbeeren gibt es bei ihnen im Schloß Broughton, dem besterhaltenen mittelalterlichen Besitz in der Grafschaft Oxford. Theaterkarten für das Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon werden für die Kursteilnehmer besorgt, eine Autobusfahrt in die Cotswoldsberge steht genauso auf dem Programm wie Golfspiele und eine Tour durch die originellsten und traditionsreichsten Pubs der Stadt. Die Teilnehmer werden im "Centre for Management Studies", einer hochmodernen Fortbildungsstätte für Betriebsleiter, untergebracht. Am Stadtrand gelegen, schaut man durch viel Glas auf den hübschen Park und die Silhouetten der Oxforder Kirchen und anderer Gebäude.

Aber kommen wir zum Kochen. Genauer gesagt: zu den Kochvorführungen, die den Besucher jeden Morgen erwarten. "Gourmet’s Oxford" heißt der Lockruf: Roastbeef mit Yorkshire Pudding, Wildpasteten, Rehbraten, schottisches Moorhuhn und zahlreiche ungewöhnliche Fischgerichte und Süßspeisen stehen auf dem Küchenzettel. Fünf Chefköche, die hauptberuflich für die berühmten Colleges kochen, zeigen den Kursteilnehmern ihre Künste: Sie bereiten ein Mahl für vier Personen zu. Die Rezepte werden vorher an die Kocheleven verteilt. Die Atmosphäre ist gelockert und voller Humor, Fragen werden gestellt. In einem der Seminarräume sahen wir einen Lammrücken goldbraun werden. Eine Gurkensuppe, ein Fischgericht und ein delikates Dessert vervollständigten das Mahl, das wir genießerisch kosteten.

High Tables? Das sind die etwas erhöhten, quergestellten Tische in den rechteckigen Speisesälen der Colleges, an denen die Professoren und ihre Freunde speisen: traditionsgemäß reichlich, erstklassig und von viel Wein begleitet. Bis 1860 durften die hohen Herren in Oxbridge (Oxford und Cambridge) nämlich nicht heiraten, statt dessen standen Speis’ und Trank hoch auf der Liste ihrer irdischen Freuden. Dies hat sich glücklicherweise kaum geändert, wovon auch die gut gefüllten Weinkeller Zeugnis geben. Und mancher Chefkoch hat vorher in einem der ersten Hotels des Landes den Kochlöffel geschwungen.

Julie Stewart