Vollen Kassen bei den Stromverteilern stehen in Bayern Ertragsprobleme bei dem Elektrizitätserzeuger gegenüber: Statt die Struktur gründlich zu verändern, wird; in regelmäßigen Abständen nur an den Verrechnungspreisen zwischen den Unternehmen gedreht.

Die "Solidarität der Branche", der bayerischen Elektrizitätswirtschaft, lobte vor einigen Wochen der Vorstandsvorsitzende der Bayernwerk AG in München, Hans Heitzer: Zwar müsse sein Unternehmen, das sich anspruchsvoll "Landeselektrizitätsversorgung" nennt und die Elektrizität fast ausschließlich an Weiterverteiler liefert, der angespannten Ertragslage wegen seine Strompreise erneut heraufsetzen. Aber wie schon vor zwei Jahren würden die gutverdienenden regionalen Versorgungsunternehmer, die "Stammabnehmer" des Bayernwerks, diese Preiserhöhung nicht an ihre eigenen Kunden in Haushalt und Gewerbe weitergeben, sondern selbst auffangen.

Die Verbraucher, so versicherte Heitzer, könnten also auch 1979 mit stabilen Strompreisen rechnen. Da in anderen Regionen der Strompreis mit Sicherheit steigen werde (trotz der Appelle von Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, die niedrigeren Einsatzkosten für Öl, Gas und deutscher Steinkohle an die Verbraucher weiterzugeben), rechnet der Bayernwerk-Chef gar mit einer Verbesserung der Strompreissituation im bisher benachteiligten Freistaat.

Die regionalen Versorgungsunternehmen haben sich zwar bereit gefunden, dem vom Bayernwerk eingeforderten "Strukturbeitrag" zu zahlen. Sie murren aber über die Art und Weise, wie der Bayernwerk-Vorstand die Preisaktion zu einem Zeitpunkt publik gemacht hatte, zu dem es noch keine verbindlichen Vereinbarungen gegeben habe. Dieses. Vorgehen, so eine kritische Stimme, sei "unverschämt".

Der Chef der Isar-Amperwerke AG in München, Otto Hausner, rügt den Stil: "Noch steht es uns zu, unseren Kunden mitzuteilen, welche Preise wir verlangen." Hausner, bis vor gut einem Jahr kaufmännisches Vorstandsmitglied der Bayernwerk AG und mit deren Finanzsorgen, aus langjähriger eigener Tätigkeit vertraut, bestreitet aber nicht, daß man etwas tun müsse, um die Lasten gerechter und gleichmäßiger zu verteilen.

Hinter dem Streit verbirgt sich ein Strukturfehler. Schon immer war an der Stromverteilung bis hin zur "letzten Lampe" mehr verdient worden als an der eigentlichen Elektrizitätserzeugung. Während das Bayernwerk oft nur mühsam spärliche Dividendensätze zahlen konnte und die beiden öffentlichen Großaktionäre, der Freistaat Bayern (sechzig Prozent) und die bundeseigene Viag (vierzig Prozent) immer aufs neue zur Kasse gebeten werden mußten, schütteten die regionalen Versorgungsunternehmen üppige Gewinne aus; ihr Kapital konnten sie meist aus Gesellschaftsmitteln, aus erwirtschafteten Reserven, erhöhen. Am exzellentesten ist die Ertragslage bei Isar-Amper, wo das Münchner Bankhaus Merck, Finck & Co den größten Anteil und das Sagen hat. Hausner glaubt zwar, daß es auch dem Bayernwerk wieder einmal bessergehen werde, wenn die exorbitant hohen Investitionen für die neuen Kernkraftwerksblöcke allmählich amortisiert werden. Aber es fragt sich, ob eine grundlegende Reform der Elektrizitätsversorgung in Bayern damit überflüssig wird.

Noch hofft Bayernwerk-Chef Heitzer, daß man darum herumkommt: "Unsere Struktur ist besser als ihr Ruf. Wir sehen keinen Anlaß zu einer bayerischen Einheitsversorgung, einer Electricite de Baviere, zu kommen." Aber er bestreitet nicht, daß die Branche rechtzeitig über "neue Wege nachdenken müsse".