"Bruckmann’s Möbel-Lexikon", von Claudia Frey tag unter Mitarbeit von Christiane Sternsdorf und Caspar Tamms. Wie erfreulich, daß endlich jemand den Einfall zu einem solchen Nachschlagewerk gehabt hat – wie ärgerlich, daß es so ein Reinfall geworden ist. Der oft vergeblich bleibende Versuch, Auskunft in diesem Buch zu erhalten, nährt die Vermutung, daß die Verfasserin und ihre Helfer über ihr Sachgebiet nicht sehr viel besser orientiert sind als dilettierende Schöngeister, daß sie aber, was viel ärger ist, vom lexikalischen Handwerk so gut wie nichts verstehen: Sie haben weder genug Wissenswertes gesammelt noch gründlich recherchiert, nicht geordnet, niemals analysiert. Mit diesem bösen Vorwurf ist weniger gemeint, daß über den 1976 gestorbenen Architekten Aalto mitgeteilt wird, "lebt in Helsinki", gemeint sind viel eher Unterlassungen wie diese: daß zwar Marcel Breuer als Möbelentwerfer ein Stichwort abgibt, nicht aber sein Konkurrent Mart Stam (der nur beim "Bauhaus" rasch erwähnt wird), auch Eiermann fehlt. Was über Arne Jacobsen und Charles Eames mitgeteilt wird, ist von haarsträubender Ärmlichkeit. Andere Beispiele: "Anrichte" ist diesem Lexikon zufolge nur ein Schrank, für Tischzeug und nicht, wie selbst der Brockhaus treffend erklärt (und Literaturhinweise gibt!), auch ein Möbel zum Abstellen von Speisen, zum Anrichten also. Zum "Arbeitstisch" fällt den Autoren nichts weiter ein als der Nähtisch. "Truhe" wird als ein Behältnismöbel umschrieben, aber diese Bezeichnung wird wie ähnliche Sammelbegriffe nicht als Stichwort aufgenommen, um eine ganze Möbelgattung systematisch darzulegen. "Liege", ein anderes Beispiel, gibt es nicht einmal als Stichwort, geschweige denn als Anlaß, darunter alle Varianten von Liegestätten zu erörtern: Couch etwa (auch kein Stichwort), Chaiselongue, Kanapee, Sofa. Die Informationen, die die Stichwortartikel vermitteln, sind oberflächlich, zufällig, unpräzise; der sprachliche Ausdruck ist nicht selten ungelenk, die Illustrierung willkürlich – das ganze Buch ein Irrtum. (Verlag F. Bruckmann, München, 1978; 304 S., 286 Abb., 64,– DM.) Manfred Sack

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"Du hast noch ein Jahr Garantie", von Bernhard Lassahn. "Wenn wir nachts in den Dänen liegen und in den Sternenhimmel sehen, kriegen unsere Diskussionen über den Materialismus einen ganz eigentümlichen Tonfall." Was Claire Bretécher ("Die Frustrierten") und Chlodwig Poth ("Unser täglich Frust") mit dem Zeichenstift machen, haut Lassahn mit Worten aufs Papier: Selbstironie und Selbstbehauptungswillen der ausgetricksten 68er Generation hier wie da. Was den (nicht mehr ganz) jungen Leuten heute von den Verwaltern des Neo-Biedermeier, von den "Machern", den "Plastic People", als Leben angedient wird, können sie nicht als ihr Leben akzeptieren. Weder wenn es sich dynamisch-amerikanisch anbiedert ("Alles ist super. Nur wir nicht... Alles King Size und King Kong... Dauer-Power auf allen Wellen") noch wenn es – hier kennt sich der 1951 geborene Tübinger Liedermacher Lassahn bestens aus – als Hitparade herangeschwappt kommt und etwa eine clevere Plattenfirma beschließt, "stärker auf Folk & Liedermacher einzusteigen und daß da z. Z. große Kisten durchgepusht werden können". – Äußerst erfrischende Satiren: Die Fetzen, mit denen, die öffentliche Lüge (Werbung, Schlager, Politik) ihre Blößen deckt, fliegen. (Texte-Verlag, Tübingen, 1978; 100 S., 12,80 DM.)

Hanns-Hermann Kersten