Der Rentenmarkt unterliegt zur Zeit einer harten Belastungsprobe. Von der letzten Bundesanleihe ist der größte Teil noch nicht untergebracht, Millionenbeträge liegen noch bei den Kreditinstituten. Für den Jahresschluß ist bereits eine weitere Bundesemission angekündigt, die sogenannte Silvester-Anleihe. Bis dahin sind noch eine Milliarden Mark an Carter-Bonds zu plazieren, deren Gegenwert die Amerikaner, zur Dollarstützung einsetzen, wollen. Außerdem hat die Finanzierung der Mineralölbevorratung begonnen, von der die Ölkonzerne jetzt entlastet werden und die wegen der Einschaltung öffentlich-rechtlicher Banken und privater Hypothekenbanken indirekt auch über den Kapitalmarkt läuft.

Die Zinsoptimisten rechnen der Öffentlichkeit vor, daß dies alles ohne Auswirkung auf den Kapitalmarktzins zu bewältigen ist, der auch im kommenden Jahr nicht zu steigen braucht, weil auf dem Papier genügend Mittel bereitstehen sollten. Dieser Meinung scheinen auch einige Hypothekenbanken zu sein. Sie lassen sich mit der Kapitalbeschaffung Zeit, in der Hoffnung, zur Jahreswende weniger zahlen zu müssen.

Es wird darauf verwiesen, daß die Kapitalsammelstellen über hohe Beträge anlagebereiter Mittel verfügen. "Sie stehen unter Anlagezwang", meinen viele Rentenmarktexperten. Dagegen argumentiert das Frankfurter Bankhaus Georg Hauck & Sohn: "Den Anlagezwang oder Anlagenotstand gibt es nur in der Phantasie der Kreditnehmer. Der Anleger hat grundsätzlich immer Zeit; er kann warten. Die Schuldner, besonders im öffentlichen Bereich, machten in der letzten Zeit nicht den Eindruck, als könnten sie warten, auch wenn das Gegenteil beteuert wurde. Diese Schwäche dürften sich die Anleget bis auf weiteres zunutze machen."

Warten können die Anleger übrigens auch bei den Aktien. "Mittelfristig", so heißt es in den meisten Prognosen, "hat der deutsche Aktienmarkt durchaus Chancen." Mit anderen Worten: Zur Zeit lohnt es sich nicht, Aktien zu erwerben. Und danach sieht es auch in den Börsensälen aus.

Da das Angebot trotz der Tarifauseinandersetzungen in der Stahlindustrie gering geblieben ist, macht der Aktienmarkt allerdings einen durchaus stabilen Eindruck. Denn – und auch dies ist eine weit verbreitete Parole: "Im Frühjahr sind die Kurse höher als heute!"

Aber welche? Darüber gehen die Meinungen nun weit auseinander. Sieht man von den Anlagekäufen im Bereich der Maschinenbauwerte einmal ab, die noch immer vom "gelben Fieber" (Aussicht auf China-Aufträge) gepackt sind, gibt es gegenwärtig am Aktienmarkt keine Schwerpunkte. Vom Umsatz her liegen VW-Aktien weiterhin an der Spitze. Der leichte Rückschlag unter die 240-Mark-Marke hat Gewinnmitnahmen ängstlicher Gemüter ausgelöst. Andererseits gilt aber das Papier weiterhin als besonders preiswert, so daß es nicht schwerfällt, den Kurs zwischen 235 und 239 zu stabilisieren.

Bei den BMW-Aktien scheint dies schon schwerer zu sein, obwohl BMW einen ausgezeichneten Zwischenbericht vorgelegt hat. Nach der Kapitalerhöhung ist praktisch nichts mehr gelaufen. Die Enttäuschung darüber scheint etliche BMW-Aktionäre zum Verkauf ihrer Papiere Zu bewegen. K. W.