Berlin: "Arnulf Rainer"

"Malerei, um die Malerei zu verlassen", so hat er selbst einmal seine Arbeit bezeichnet und damit zugleich eine ganze Kunstrichtung, die aktuell ist, charakterisiert Arnulf Rainer, der gebürtige Wiener, ist (obwohl er von 1963 bis 1967 in Berlin ein Zweit-Atelier unterhielt) hier seit langem nicht präsent gewesen. Eine kleine Ausstellung, die einen bruchstückhaften Querschnitt über seine diversen Werkphasen zeigt, versucht diese Informationslücke zu füllen. Eine Kunstspezies kommt damit zurück, die der hiesigen lokalen Kunstszene abhanden kam, wohl auch, weil sie hier keine großen Chancen hat. Eine andere Seite des engagierten Realismus gewissermaßen, der weniger gesellschaftliche als betont psychologische und auch kunstimmanente Probleme reflektiert und darstellt. Einzelbeispiele aus der Fülle der Werkphasen, -Serien oder -gruppen von Rainer führen das beispielhaft vor: Seine Photoübermalungen, Zumalungen, Totalübermalungen und auch zwei Gemeinschaftsarbeiten mit Dieter Roth stehen für diese ganze Richtung. Man hat die Übermalungen seiner Selbstporträts einmal "systematische Selbstfindungsprozesse" genannt, seine Übermalungen mit brutalem Zerstörungswahn oder simuliertem Wahnsinn verglichen. Der übrige Destruktionstrieb, der ihn offenbar leitet, führt jedoch in einem dialektischen Sprung wieder zurück zu Kunstäußerungen, die durchaus zeitgemäß erscheinen, nämlich als; totale Infragestellung. Man muß nicht die gesamte abendländische Metaphysik oder, die moderne psychologische Nomenklatur zu Hilfe nehmen, um. diese Arbeiten zu deuten. Sie signalisieren Verzweiflung, nämlich die, trotz aller Zweifel Kunst zu machen. Rainer bezeichnet sich bekanntlich als "Lustmörder der Kunst", und, selbst wenn da wieder Psychologie ins Spiel kommt, die Tötungslust, der seine Destruktionen beflügelt, deutet doch auf eine libidinöse Beziehung zum Objekt. Die Resultate, vor allem jene, die zeichnerische und Resultate, Elemente integrieren, sind hochsensibel und schön. (Galerie Nothelfer, bis 20. Dezember)

Daghild Bartels

Hamburg; "Kunst der Antike"

Nicht im Museum, sondern in einer mit aktueller Kunst befaßten Galerie wird eine bemerkenswert schöne Antiken-Kollektion präsentiert. Das ist eine angenehme Unterbrechung, eine ästhetische Wohltat sowohl für den Galeristen wie für sein Publikum, weil damit der Ausschließlichkeitsanspruch der modernen und der alten Kunst in Frage gestellt und auf ein ihnen Gemeinsames hingewiesen wird, wie das beispielsweise auch schon die Düsseldorfer Kunsthalle mit ihrer Poussin-Ausstellung vorexerziert hat. Erstaunlich an der Hamburger Schau von knapp hundert griechischen, etruskischen und römischen Altertümern, daß sie alle aus der Sammlung des Hamburgers Holger Termer stammen, der die Objekte im Katalog fachmännisch beschrieben und erläutert hat, und daß sie alle verkäuflich sind. Man findet hier Stücke, die man eigentlich nur in Museen vermutet, rotfigurige und schwarzfigurige Vasen und Schüsseln aus Griechenland und Unteritalien, zu Preisen, die zwischen 7000 und 40 000 Mark liegen, oder eine kleinasiatische Grabstele (für 74 00 Mark), einen wundervollen etruskischen Jünglingskopf aus der Mitte des 5. Jahrhunderts und, ebenfalls etruskisch aus der gleichen Epoche, den Votivkopf einer archaisch lächelnden Göttin. Es gibt Kleinbronzen und Tonfiguren verschiedener Provenienz, es gibt eine umfangreiche Schmuckabteilung mit einer Preisskala, die bei 400 Mark für einen assyrischen Goldohrring einsetzt und bei 44 000 Mark für eine griechische Kette mit Löwen und "Heraklesknoten" endet, Zu den Werken von musealem Rang zählen eine attisch-geometrische Pferdepyxis und ein Kantharos in Gestalt eines weiblichen Kopfes, aus der Zeit des strengen Stils. Die Tatsache, daß ein Markt für antike Kunst heute überhaupt und nicht nur im Dunklen existiert, daß er jedermann und nicht nur Millionären zugänglich ist, wird die meisten Besucher dieser Schau überraschen. (Galerie Neuendorf bis zum 20. Dezember, Katalog 10 Mark).

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen