Von Petra Kipphoff

Das Katalogvorwort beginnt mit dem Satz: "Geld und Kunst sind historische Phänomene, die in all ihren Formen noch heute existieren." Gewiß, gewiß. Aber es ist nicht das Vorwort des Katalogs zum "Internationalen Kunstmarkt", der gerade in Düsseldorf abgehalten wurde, sondern das Vorwort im Katalog der in der Düsseldorfer Kunsthalle stattfindenden Ausstellung "ART – Museum des Geldes",

Der Prospekt hat den Titel "Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Avantgarde-Klassik". Aber es ist nicht der Prospekt von Werner Schmalenbachs "Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen", dieses in Düsseldorf lokalisierten exquisiten Museums der klassischen Moderne, sondern es ist der Titel des Faltblatts, der zum "Internationale! Kunstmarkt" einlädt.

Verkehrte Welt?

Als der Kunstmarkt – das heißt nicht der Begriff, sondern die Institution einer Messe, auf der Kunst verkauft wird wie Meterware – vor zwölf Jahren erfunden und in Köln zum erstenmal erprobt wurde, da nannte sich der Verein, der diese mutige Tat beschloß, "Verein progressiver Kunsthändler". Wer mit dieser Progressivität eigentlich gemeint war, die Händler oder ihre Kunst, das war damals dennoch ein heißes Thema. Die Geschichte – des Kunstmarkts wurde rasch, das ist in der Kunst so üblich, zu einer Geschichte der Sezessionen. Vor den Toren der Progressiven, die nur 22 Teilnehmer zuließen, breitete sich 1969 der rummelige "Neumarkt der Künste" aus; und weil die Geschäfte am Rhein so gut gingen, richteten die Schweizer seit 1970 auch eine Messe aus, die ART Basel.

Der Rhein hat’s in sich (den europäischen Müll) und um sich (das Geld), und so wurde 1971 in Düsseldorf eine bunte Riesenmesse für Kunst und Kitsch installiert, als Gegenprogramm zur selbsternannten Kölner Elite. Und schließlich fand, 1974, auch Paris, daß es eine Messe wert sei. Die Deutschen jedoch hatten im letzten Herbst, nach einem unbefriedigenden Ausgang des Kölner Kunstmarkts und der Unwilligkeit der Basler, sich mit dem Rheinischen Kunstmarkt (zu dem sich die Düsseldorfer und Kölner 1975 zusammengerauft hatten) auf eine alternierende Messe zu einigen, die Lust verloren. Sie erklärten das Ende der Messe.

Und veranstalteten dann, vernünftigerweise, dennoch wieder eine: den "Internationalen Kunstmarkt" in Düsseldorf. Er ist, nach sechstägiger Dauer, am 4. Dezember zu Ende gegangen. Die Sezessionisten dieses Jahres sind die (sechzig) vom Bundesverband Deutscher Galerien ausjurierten Galerien, die für den Oktober des nachsten Jahres in Aachen einen "Ersten Europäischen Kunstsalon – Gegenständliche Kunst des 20. Jahrhunderts" angekündigt haben.