Das furchtbare Wort, das jetzt die Runde macht und dabei soviel Staub aufwirbelt, habe ich niemals in den Mund genommen, es gehört einfach nicht zu meinem Wortschatz, solche Worte gebraucht ein wohlerzogener, normalveranlagter Mensch mit einigem Schamgefühl nun mal nicht. Vor allem nicht bei Tisch oder gar in Gegenwart von Jugendlichen unter 18. Allein die Vorstellung, dieses Wort könnte an die Ohren meiner minderjährigen Tochter dringen, macht mich froh, daß ich keine habe. Das Wort ist ein klarer Fall für den Jugendschutz, denn es gehört zu den berüchtigten ,,Acht-Buchstaben-Worten", bei deren Gebrauch nur solche Maischen nicht rot werden, die es von der Gesinnung her schon sind. Jeder, der mich kennt, weiß, daß ich nicht prüde bin und manch deftigen Spaß vertragen kann; hier geht es aber um die vielzitierten Grundwerte unserer Gesellschaft. Bei diesem vulgären, zum Klassenhaß aufreizenden Wort ist die Freiheit des Wortes zu Ende.

Auch leichtfertige Wortspiele mit dem Wort, es also etwa auf "Lehn ich ab" zu reimen, lehn ich ab. Nun brauchten wir über dieses gefährliche Wort gewiß nicht viele Worte zu verlieren, hätte es nicht ausgerechnet der Bürgermeister von Hamburg, einer Stadt, die doch für ihren feinen Ton berühmt ist, benutzt, und nicht einmal metaphorisch, sondern ganz konkret.

Natürlich fand das harte Wort auch seinen Weg zum Ohr des Kanzlers, der zunächst nach Worten rang, um seine Abscheu über diese Worttat seines Parteifreundes und engeren Landsmannes auszudrücken, obwohl er selber im Umgang mit Worten nicht gerade zimperlich ist.

Auf das äußerste gereizt von diesem Reizwort und besorgt, es könnte jemand in den falschen Hals bekommen, oder es fände beim politischen Gegner, aber auch beim Koalitionspartner ein fatales Echo, entschloß sich der Kanzler, endlich ein Machtwort zu sprechen.

Und so geschah es, daß sich die beiden Männer am letzten Wochenende in Hamburg zu einem Wortwechsel trafen, wobei ein Wort das andere gab, bis schließlich der Kanzler, wie immer, das letzte Wort behielt und Klose versprach, das schlimme Wort, das soviel Unfrieden gestiftet hat, nie wieder in den Mund zu nehmen, sondern allenfalls den Tatbestand, den es beschreibt, zu umschreiben.

Nach einer gestrengen Mahnung des Kanzlers, nicht wortbrüchig zu werden, sprachen dann die beiden Politiker gemeinsam das "Wort zum Sonntag".