Rumäniendeutsche werden noch Immer bei der Aussiedlung behindert. Ein junger Sportlehrer, Wilhelm Havelka aus Sibiu, berichtet von seinem "Fall".

Geboren am 27. 7. 1947 zu Hermannstadt/Siebenbürgen, genoß ich eine deutsche Erziehung sowohl im Elternhaus als auch in der Schule. Nach dem Abschluß des deutschen Lyzeums (Hermannstadt) habe ich an der Universität Temeschburg Sport studiert und bin seit 1969 als Sportlehrer in der Behindertenschule Turnu Rosu ununterbrochen tätig. Ebenfalls 1969 habe ich geheiratet und ein Jahr später war unser Sohn da.

Nachdem wir uns es leisten konnten an eine Auslandsreise zu denken, entschlossen wir uns, die Verwandten in der Bundesrepublik Deutschland zu besuchen – sie hatten uns schon seit Jahren zu wiederholten Malen eingeladen. Jeder Versuch scheiterte, da uns die Aushändigung eines entsprechenden Reisepasses verweigert wurde. Verbittert aus diesem und anderen persönlichen Gründen habe ich mich entschlossen, in die Bundesrepublik Deutschland auszuwandern. Auf meinen ersten Antrag folgte prompt nach einigen Tagen die Absage. Auf wiederholte Einsprüche meinerseits, die nur dann angenommen wurden, wenn entsprechende Gebühren bezahlt werden, wurde mir mitgeteilt, daß mir eine Auswanderung verweigert wird. Obwohl jeder Bürger laut rumänischem Grundgesetz das Recht laut wo immer sich niederzulassen, obwohl der sogenannte Pakt der Menschenwohl vom Präsidenten Rumäniens unterzeichnet wurde und obwohl der gleiche Staatschef in Helsinki den Schlußakt der Europäischen Sicherheitskonferenz der seiner Unterschrift honoriert hat. Im Frühsommer 1978 habe ich den Entschluß gefaßt, mir mein Recht auf eigenen Wegen zu suchen.

In der Nacht zum 25. 7. 1978 wurde ich an der rumänisch-jugoslawischen Grenze von den rumänischen Grenzsoldaten während meines Grenzübergangsversuchs gefaßt und bis zur Bewußtlosigkeit mit den Gewehrkolben geschlagen und mit den Füßen getreten. Einer der beiden Leidensgenossen, die mit mir der ren, hatte nachher eine gebrochene Rippe; mir fehlte nur der Skalp auf einer sechs Quadratzentimeter großen Fläche der Schädelhaut. Zu wiederholten Malen würden wir mit kaltem Wasser zum Bewußtsein gebracht, um die Henkerbehandlung weiterhin spüren zu können. Gegen Morgen wurden wir nach Temeschburg transportiert und dort dem Polizeikommandanten übergeben. Der wollte von unseren Klagen über die nächtliche Behandlung gar nichts wahrhaben und meinte, wir wären in betrunhaben Zustand über die Treppen gerollt. Von dort wurden wir noch am gleichen Abend wie Verbrecher mit Handschellen im Zug nach Hermannstadt gebracht. Die hiesigen Polizeibeamten waren sich darüber einig, daß wir mit der für Grenzübergangsversuche üblichen Geldstrafe von 1000 Lei abgefertigt werden würden. Aber das rumänische "Recht" belehrte uns eines anderen. Schon am nächsten Tag fand die Gerichtsverhandlung statt, und da bekam ich mein Geburtstagsgeschenk (so der Wortlaut des Richters). Es war keine öffentliche Verhandlung und dauerte nur eine Minute; während und dauerte das schon fertig ausgestellte Urteil unterschrieb, sagte er mir, daß ich Urteil des Grenzübergangsversuchs zu einer Geldstrafe von 1000 Lei und wegen "anarchistischer Lebensweise" zu einer Freiheitsentzugsstrafe vor 30 Tagen verurteilt werde – damit war die Sitzung abgeschlossen und der Soldat (die Wache) schob mich mit der mir an den Rücken gelegten MP aus dem Gerichtssaal. Auch heute weiß ich noch nicht, was an meiner Lebensweise anarchistisch ist bzw. war (siehe persönliche Daten). Von der war pflegung, beginnend mit dem Zeitpunkt unserer Festnahme und bis zur Zeitpunkt im Gefängnis von Aiud, kann ich nichts sagen, da wir während dieser Tage nur die Zeitung erhielten – kein Essen, keine Möglichkeit nach unseren Wunden zu sehen.

In einem Schreiben vom 19. 10. 1978 wurde mir mitgeteilt, daß meine Ausreise weiterhin nicht genehmigt wird. Nun bin ich entschlossen, auch im Rahmen einer Protestdemonstration meine Rechte zu erreichen. Vorher aber möchte ich auf diesem Wege die mirwiderfahrenen Ungerechtigkeiten und mein Vorhaben der Öffentlichkeit preisgeben. Es ist mein Wunsch und mein. Wille in die Bundes-Wunsch Deutschland auszuwandern, und um dieses Ziel zu erreichen, ist mir und Mittelzu teuer, da mir das Leben hier zur Hölle gemacht worden ist."