Der 30. November 1978 wird für den Oberamtsmeister Theodor J. sicher unvergeßlich bleiben. An diesem Tag nämlich, mitten im mündlichen Anhörungsverfahren zur Mitbestimmungsklage, ging er in den Ruhestand.

Für das Besondere dieses Tages sorgte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Ernst Benda. An diesem Tag schloß er die Sitzung nicht, wie sonst üblich pünktlich um 19 Uhr, sondern bat die Prozeßbeteiligten um einige Minuten Geduld. Den Oberamtsmeister forderte er auf, zum Richtertisch heraufzukommen.

Dort sprach der Präsident dem 65jährigen künftigen Ruheständler Dank und. Anerkennung des Gerichts aus und fügte verschmitzt hinzu: "Sie sehen, wir haben uns extra in unsere besten Kleider geworfen und aus der ganzen Bundesrepublik sind die Menschen zu Ihrem Abschied herbeigeeilt."

Eine publikumswirksame Geste, gewiß, aber auch und vor allem eine sympathische, menschliche Geste. Und zudem ein Satz, der zeigt, daß die roten Roben auch für ihre Träger nur Äußerlichkeiten ihrer Würde sind. ms