Der Rezensent beurteilt frei, ob ein Buch gut oder schlecht ist. Ist er aber berechtigt, ein Buch, das den "Wald" beschreibt, so zu kritisieren, als habe der Autor das "Meer" darstellen wollen? "Das Bündnis" (Untertitel: "Die westeuropäischen Länder und die USA seit dem Krieg") ist kein "Europa-Buch". Es versucht eine Beziehung in ihrer Vielfalt verständlich zu machen. Aber Rudolf Walter Leonhardt hat beschlossen, das Werk hätte ein anderes Thema behandeln sollen. Nur zwei Beispiele:

  • Er beklagt, daß "Das Bündnis" nicht die regionalen Spannungen, die "Separatistenbewegungen" innerhalb der europäischen Länder analysiert. Welchen Bezug hat nun dieses Phänomen zum transatlantischen Verhältnis?
  • Die Studentenrevolte und der Terrorismus seien abwesend. Aber das Kapitel 9 "Studentenunruhen und Währungsunruhen" beschreibt unter anderem den doppelten Zusammenhang zwischen Ulrike Meinhofs Kampf gegen den Vietnamkrieg und ihrem Übergang zum Terrorismus, und zwischen der amerikanischen Revolte und dem europäischen Anti-Amerikanismus, das heißt, das, was zum Gesamtthema des Buches gehört. So wie das Konzil "Vatikan II" in seiner Betonung der Nord-Süd-Dimension der Weltpolitik relevant ist und entsprechend analysiert wird, weil somit das Amerika-Bild europäischer Katholiken verändert wurde.

Alfred Grosser