Heinz Kluncker genießt, außerhalb seiner Klientel der Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes, einen zwiespältigen Ruf: den eines Gewerkschaftsführers, der seine Interessen wirksam durchsetzt, der dabei aber rücksichtsloser zu Werke geht als manche seiner Kollegen. Zu wenig gewürdigt wurde dabei, daß es Kluncker mitunter recht gut versteht, mit seinen Forderungen im Windschatten anderer Gewerkschaften zu fahren, um so vom Sturm der öffentlichen Entrüstung weniger mitzubekommen als diese.

Just dieses Talent bestätigt er nun erneut: Von Arbeitszeit-Verkürzungen, die derzeit so heftig diskutiert werden, findet sich in seiner "Forderungs-Empfehlung" für 1979 kein Wort. Und auch das Reizthema der für alle Einkommensgruppen gleichmäßigen Verbesserungen – die sogenannten Sockelbeträge – berührt er diesmal nur am Rande; nur das Urlaubsgeld und die Ausbildungsvergütungen sollen durch gleiche Beträge angehoben werden. Bescheiden, wie er, zur Abwechslung, gern einmal sein möchte, konzentriert er sich im wesentlichen auf 6,5prozentige Lohnerhöhungen.

Doch nur die kommende Tarifrunde will Kluncker der Pflege seines Gewerkschafts-Images widmen: "Die 35-Stunden-Woche kommt bestimmt – auch im öffentlichen Dienst." Die "Humanität der Arbeitsplätze", die ja im Staatsdienst so arg zu kurz kommt, verlangt er spätestens nach 1980. pl