Von Carl-Christian Kaiser

Lobet und preiset ihr Völker den Herrn", intoniert der 70 Kinderstimmen starke Chor, als Bernhard Vogel im Dörfchen Bergweiler aus dem Bus kleistert, Und der Hausherr von Rheinland-Pfalz, auf Besuch und Inspektion im Landkreis Bernkastel-Wittlich an der Mosel, nimmt die Lobpreisung ebensogern entgegen wie alle anderen musikalischen Begrüßungen auf den vielen Stationen seiner Tagesreise. Offen bleibt, ob die Huldigung in Bergweiler ohne Umschweife dem Mainzer Ministerpräsidenten zugedacht ist oder ob sie mehr damit zu tun hat, daß das Jugendzentrum des Dorfes vom Pastor geleitet wird.

Klar hingegen ist, daß sich Bernhard Vogel bei seinen "Kreis-Bereisungen" nicht als Herr seiner Landeskinder präsentieren möchte. Als Transportmittel bat der Regierungschef einen Bus genommen, mit dem er, von den Lokalmatadoren und einigen Mitarbeitern begleitet, kreuz und quer durch den Landkreis rumpelt. Vorweg fährt um ein einziges Polizeiauto, ohne Blaulicht, hinterher allein ein Wagen der Staatskanzlei, dessen Kofferraum Schokolade und Mohrenköpfe für die kleinen Musikanten und Sänger birgt. Repräsentation mittels großer Eskorten und schriller Martinshörner hat sich Vogel strikt verbeten, zum gelinden Verdruß mancher Honoratioren und Polizeichefs.

Dafür sind die Reisen generalstabsmäßig vorbereitet. Als es zum Beispiel in Piesport um die Straßen Planung für den ganzen Kreis geht, spricht Vogel vor den versammelten Fachleuten so geläufig über Trassen und Autobahnanschlüsse, als habe er sich zeitlebens mit nichts anderem beschäftigt. Dazu setzen ihn Papiere instand, die ihm sachverständige Mitarbeiter angefertigt haben und die er vor der Besuchstour wohl regelrecht gebüffelt hat. Nichts ist ausgelassen, was auf der Reise vorkommen wird oder könnte. Vermerk betr. Rebanpflanzung im Überschwemmungsgebiet Mosel", steht da etwa über den Papieren, oder: "Vermerk betr. Gespräch über Brauchtumspflege in Reil".

Was Wunder, wenn der Ministerpräsident fast überall den Eindruck erweckt, als kenne er den Problemhaushalt seines Landes bis in den letzten Winkel, und wenn er seinen vielen, so verschiedenen Gesprächspartnern überdies das Gefühl eingibt, als sei er nur zu ihnen gekommen, um sich nur mit ihren Sorgen und Wünschen auseinanderzusetzen. Der Gesprächston ist sachlich; Anbiederung oder Liebedienerei sind so selten wie erregte Kontroversen. Zwar muß der Landrat als Moderator regelmäßig die erste Sekunde der Befangenheit überbrücken, wenn es ans Fragen und Diskutieren geht, aber dann sind oft Schleusen hochgezogen.

Für alle Fälle vorbereitet

In der Zentralkellerei von Bernkastel-Kues zum Beispiel muß sich Vogel eine Flut Ten Klagen über die Pingeligkeit von Eichämtern oder über die Steuerlasten anhören, die auf den Rieslinganbau in Steilhanglagen drücken. Aber auch für solche Spezialfälle ist vorgesorgt, denn mit dem Landeschef reisen die zuständigen Abteilungsleiter aus den Mainzer Ministerien, Ohnehin notieren zwei Angehörige der Staatskanzlei, still im Hintergrund, jene Klagen und Probleme, die begründet erscheinen. Dringende Angelegenheiten werden schon in der nächsten Kabinettssitzung besprochen.