Schon das zahlenmäßige Ergebnis einer Streichaktion, mit der fünf Mitglieder des Bundestag-Haushaltsausschusses an die zusätzlichen Personalanforderungen der Bundesregierung herangegangen sind, läßt aufhorchen: 942 Stellen, deren Neubesetzung die Bundesregierung für wichtig hält, werden aus doch nicht eingerichtet – das ist mehr als ein Drittel der von der Regierung angeforderten 2430 Positionen. Beziffert man die Kosten einer Personalstelle pro Jahr schon nur mit 30 000 Mark, so hat das "Streich-Quintett" den Steuerzahlern eine Einsparung von fast 40 Millionen Mark erbracht.

Noch wichtiger aber als dieses Ergebnis könnte der Vorsatz von Haushaltsauschuß-Mitgliedern sein, künftig nicht mehr nur neue Stellenanforderungen besondes kritisch zu prüfen, sondern schon vom nächsten Jahr an "den Grundstock der (vorhandenen) Stellenpläne" zu durchleuchten, wie es der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Horst Schröder formulierte.

Schröder Will dafür auch den Bundesrechnungshof zur Mithilfe auffordern. Die Sprecher andere Fraktionen haben sich so entschieden noch nicht geäußert, doch ist zu erwarten, daß auch sozialdemokratische Haushaltsexperten wie der Berliner Lothar Löffler mit von der Partie sein werden.

Bei rund 20 000 Stellen allein in der Bonner Ministerialverwaltung und 305 000 Positionen bei der Bundesverwaltung insgesamt wird es sich gewiß nicht von heute auf morgen erreichen lassen, alle Bediensteten auf zweckmäßige und ausreichende Beschäftigung hin zu überprüfen. Doch jeder einzelne Schritt könnte sich bezahlt machen. Schön der ständige Kontakt mit der Bürokratie der Bonner Ministerien und des Bundestages zeigt: Es gibt eine Reihe von Staatsdienern, die ständig mit Arbeit überlastet werden – doch es gibt auf der anderen Seite viele, deren offizielle 40-Stunden-Woche in Wahrheit kaum zwanzig Stunden zählt, ohne daß diese Minderauslastung der dynamischen Besoldung und regelmäßigen Beförderung Abbruch täte.

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Zu den Neuerungen, die dank des Eifers der parlamentarischen Streicher vorerst blockiert sind, gehört eine von Bundesfamilienministerin Antje Haber angeforderte Stabsstelle für Frauenpolitik – acht zusätzlich erbetene Mitarbeiter sollten das bislang dreiköpfige Frauenreferat des Ministeriums verstärken, ohne daß so recht ersichtlich, war, zu welchem Zweck und mit Welchen Mitteln. Sollte es Frau Huber bis zum Frühjahr gelingen, diesen Nachweis zu liefern, so werden die von ihr angeforderten und vorerst gesperrten Mittel noch "entsperrt".

Man wird sehen, ob es dem Parlament genügt, wenn die Ministerin erklärt: Zahlreiche Gesetze müßten auf ihre "Frauenförmlichkeit" hin abgeklopft, und den Klagen über Frauendiskriminierung aus allen Teilen der Republik müsse in Bonn eine Adresse geschaffen werden. Sie erwarte, sagt Frau Huber, von dem Arbeitsstab "keine glanzvollen Soforterfolge"; ihr gehe es mehr um das ,geduldige Bohren in harten Brettern".