In der DDR-Armee gibt es keine Trennung zwischen politischer und militärischer Führung. Der oberste Befehlshaber, Armeegeneral Heinz, Hoffmann, ist zugleich Verteidigungsminister. Zudem ist die SED in allen Stabsstellen und Führungsgremien durch Politoffiziere repräsentiert; Hoffmann selbst ist Mitglied des Politbüros der SED. Das heißt, die eigentliche Befehlsgewalt über das Militär liegt bei der SED, soweit nicht Kompetenzen an das Vereinte Kommando des Warschauer Paktes abgetreten worden sind. Der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, einer Art Krisenkabinett, ist der Generalsekretär der SED, Erich Honecker.

Militärs spielen in der Regierung der DDR eine viel größere Rolle als in der Bundesrepublik. Der Minister für Nationale Verteidigung, Heinz Hoffmann, der Minister für Inneres, Friedrich Dickel, der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, und alle Stellvertretenden Minister in diesen Ministerien sind hohe Militärs und Mitglieder der SED: Genau 21 Offiziere im Generalsrang, die nicht nur für die militärische, sondern auch für die politische Führung der bewaffneten Organe der DDR zuständig sind. Umgekehrt sind diese Militärs auch in den Führungsgremien der Partei repräsentiert.

Seit Walter Ulbricht 1971 von Erich Honecker in der Parteiführung abgelöst worden ist, hat sich der militärische Einfluß auf die politische Führung noch verstärkt. Honecker übernahm den Vorsitz im Nationalen Verteidigungsrat. Er wollte seinen Einfluß in diesem Gremium, das auch in Friedenszeiten militärpolitische und rüstungswirtschaftliche Entscheidungen trifft, nicht mit einem weiteren Politbüromitglied teilen, sondern fand für die Administration des Verteidigungsrates eine militärisch zuverlässige und politisch unproblematischen Lösung – in Form eines Generalleutnants als "Sekretär".

An der Spitze des Ministerium für Nationale Verteidigung standen seit seiner Gründung im Jahre 1956 nur zwei Minister: Zuerst Willi Stoph, der in den frühen fünfziger Jahren die Kasernierte

Volkspolizei (KVP) aufbaute, aus der dann die NVA hervorging. Im Juni 1960 wechselte Stoph in eine Parteifunktion und wurde 1964 Vorsitzender des Ministerrates. Stophs Nachfolger an der militärischen Führungsspitze wurde im Juli 1960 sein bisheriger Stellvertreter Heinz Hoffmann. Er ist nun seit über 18 Jahren Chef des Verteidigungsministeriums.

Heinz Hoff mann ist 68 Jahre alt und stammt aus Mannheim. Dort besuchte er die Volksschule und lernte danach Motorenschlosser. Der Armeechef der DDR hat eine lupenreine Partei- und Militärkarriere absolviert: 1926 bis 1930 übernahm er Funktionen im Kommunistischen Jugendverband (KJV) und trat 1930 in die KPD ein. Nach kurzem Aufenthalt in der Sowjetunion und Ausbildung an der renommierten Frunse-Militärakademie wurde er Bataillonskommandeur und später Politoffizier im Spanischen Bürgerkrieg. Dann flüchtete er nach Frankreich und kehrte 1939 in die Sowjetunion zurück. 1941 bis 1943 besuchte er dort die Kominternschule. Nach dem Krieg bekleidete Hoffmann zunächst mehrere Funktionen in der SED und der neue aufgebauten Volkspolizei. 1952 hatte er es bis zum Generalleutnant der Kasernierten Volkspolizei gebracht. Von 1955 bis 1957 erhielt er noch einmal sowjetische Schulung: Er besuchte die Generalstabsakademie der Sowjetunion.

Heinz Hoffmanns Verfügungsgewalt über die Nationale Volksarmee ist gleichwohl eingeschränkt. Das letzte Wort hat in normalen Zeiten wie im Krieg das Vereinte Kommando der Streitkräfte des Warschauer Paktes. Der Oberkommandierende und der Chef des Generalstabes der Vereinten Streitkräfte sind immer sowjetische Generäle; der Chef der Vereinten Ostseeflotte, die ebenfalls dem Vereinten Kommando unterstellt ist, ist ein sowjetischer Admiral.