Die Zweiräder ans Bayern sind im Ausland zu teuer und gelten als veraltet

Die BMW-Motorräder sind ins Gerede gekommen, zumindest in der eigenen Branche. Als vor gut einem Monat der Geschäftsführer der vor einigen Jahren aus der Muttergesellschaft ausgegliederten BMW Motorrad GmbH, der 41jährige Rudolf Graf von der Schulenburg, nach zwölf BMW-Jahren unerwartet seinen Abschied nahm, da "rätselte man in meinen Weggang", so der Graf, "eine Menge hinein": Das Fan-Magazin Motorrad schrieb gar: "Weil Schulenburg bei BMW nicht für den Einmarsch in die Motorrad-Moderne mobil machen konnte, hat er quittiert", was allerdings dem Betroffenen "allzuviel der Phantasie" dünkt.

Die Tür zur "Motorrad-Moderne" wollten die Bayerischen Motoren Werke aufstoßen, als sie den Entschluß faßten, ihr Zweiradwerk in Berlin-Spandau mit mehr als 200 Millionen Mark großzügig auszubauen und die Kapazität bis Anfang der achtziger Jahre von bisher 30 000 auf 50 000 Stück hochzufahren. Als Gast nahm im vergangenen Jahr kein Geringerer als Bundespräsident Walter Scheel den ersten Spatenstich für das neue Werk vor.

In dieser Woche wird Richtfest gefeiert – aber außer Graf von der Schulenbürg, der sich nun seinem eigenen Familienunternehmen widmet, fehlt diesmal auch der soeben vom Industriemagazin zum "Manager des Jahres" gekürte BMW-Chef von Kuenheim. Er läßt sich durch den Berlin-Beauftragten von BMW, den technischen Vorstand Hans Koch, vertreten. Als Nachfolger Schulenburgs sprang bei der Motorrad-GmbH der 49jährige Siegfried K. Sengteller in die Bresche, der seinen eigentlichen Job als Koordinator für die rund, zwanzig BMW-Tochtergesellschaften im In- und Ausland beibehält.

Weil er von dieser Position her mit der Motorrad-Tochter recht vertraut war, erschien es ihm nur "folgerichtig", daß er kurzfristig Schulenburgs Funktion übernahm; aber er ist offen genug einzuräumen, daß er "spezifisch nicht gefragt" wurde. Nun fühlt er sich durch die neue zusätzliche Aufgabe zwar "herausgefordert", aber in der Branche glaubt man, daß von Kuenheim auf der Suche nach einem neuen Profit ist, der dem Motorradgeschäft die Impulse geben kann, die es braucht.

Aus zwei Richtungen kommt die Verunsicherung, mit der er fertigwerden muß: vom Markt und von der Technik her.

Am Markt hat sich für die BMW-Motorräder, die stets "flankierend" dazu beitrugen, das sportliche Image der Autos aus München und ihres Herstellers hochzuhalten, in diesem Jahr der Wind gedreht. Wurden 1977 noch rund 79 Prozent der rund 31 500 Maschinen mit dem weißblauen Emblem exportiert, davon allein 40 Prozent in die USA, so geht in diesem Jahr der Ausfuhranteil auf 65 bis 70 Prozent zurück.