Hervorragend.

Jean-Marie Leclair: "Integrale des Douze Concertos". Es müssen ja nicht immer die Brandenburgischen sein, Corelli, Händel oder Albinoni. Jean-Marie Leclair, geboren 1697, war zunächst Tänzer, Ballettmeister in Turin, ehe er zur Violine überwechselte und so etwas wie der französische Vivaldi wurde. 48 Violinsonaten und 12 Konzerte sind uns überliefert. Sie zeigen weniger die italienische Neigung zu kurzthemigen Zeilen als vielmehr die an Couperin anschließende Vorliebe für höfischgalante Formulierungen, ein bißchen verspielt, ein wenig auf technische Raffinements bedacht. Der Geiger Gérard Jarry und, im 3. Konzert aus op. VII, der Flötist Christian Lardé in einer authentischen Umbesetzung, spielen die nach klassischem Muster dreisätzigen Concerti grossi zusammen mit dem Kammerorchester von Jean-Frangois Paillard in bemerkenswerter Frische, spritzig und auf klangliche Delikatesse achtend, weniger streng historischkritisch als vielmehr in jener den philharmonischen Ausdrucksbrei geschickt vermeidenden Spielfreudigkeit eines Zwölf-Personen-Ensembles. (Erato STU 71 093, über RCA lieferbar) Heinz Josef Herbort

Hörenswert

"Miguel". Der französische Gitarrist kann, scheint’s, alles. Er schreibt sich Stücke sehr unterschiedlicher, im wesentlichen traditioneller Art, die sein Instrument herausfordern, Charakterstücke darunter, Renaissanceballaden, eine Flamenco-"Symphonie". Er beherrscht viele Spielweisen und hat eine große Ausdrucksskala mit zarten präzisen Trillern und Läufen, mit gläsernen Bottleneck-Klängen, aufgeregten Tremoli, runden dumpfen Tönen; Effekte bringt er sehr zurückhaltend an. Es wundert nicht, daß der junge Musiker vor ein paar Jahren den Preis der "Goldenen Gitarre" in Avignon bekommen hat Die Aufnahme hat hervorragende technische Qualitäten. (Eulenspiegel EULP 1011, Marktstraße 1, Hamburg 6) Manfred Sack