Wie Bodo Harenberg sich und dem Buchhandel hilft

Von Heidi Dürr

Nachrichten und Gerüchte gehören ebenso zur internationalen Frankfurter Buchmesse wie die ausgestellten Bücher. In diesem Jahr freilich waren News Mangelware: Kein bekannter Verlag wurde verkauft, niemand zahlt sechsstellige Dollarsummen für ein noch ungeschriebenes Buch, kein Gerücht über einen spektakulären Personalwechsel machte die Runde.

Ein Mann hatte dies offenbar geahnt – und die Gelegenheit genutzt, sich selber wieder einmal gehörig in Szene zu setzen: Der größte Nachrichtenhändler der deutschen Buchbranche, Bodo Harenberg, aus Dortmund. Gleich zu Beginn der Messe hatte er daher mit seinem Fachmagazin Buchreport selber für Gesprächsstoff gesorgt – getreu seinem Motto "Auch in diesem Jahr wird sich Buchreport... nicht nur als Aussteller präsentieren, sondern wiederum für Kommunikation sorgen."

In einem rüden Kommentar mit dem Titel "Heinz Friedrich, die Rettung der Kultur und einige sehr persönliche Interessen" warf Harenberg dem geschäftsführenden Gesellschafter des Deutschen Taschenbuch Verlags vor, er habe sein Ehrenamt als Mitglied im Verleger-Ausschuß des Börsen Vereins des Deutschen Buchhandels mißbraucht, indem er sich aus Eigennutz gegen die von Harenberg produzierte neue Spiegel-Taschenbuch-Bestsellerliste ausgesprochen habe.

Hecht im Karpfenteich

Der Kommentar, der nicht nur für rege Kommunikation sorgte, sondern auch den Börsenverein zu einer prompten Protesterklärung veranlaßte, bildete den Höhepunkt einer monatelangen Debatte – zwischen Harenberg und dem Spiegel einerseits und den führenden deutschen Taschenbuch-Verlegern andererseits. Es ging dabei um den Sinn dieser neuen Seiler-Liste und um deren Zuverlässigkeit. Der "Hecht im Karpfenteich" schnappe mittlerweile zu heftig zu, hieß es an vielen Ständen.